Der Fromme von Joseph von Eichendorff

Es saß ein Kind gebunden und gefangen,
Wo vor der Menschen eitlem Tun und Schallen
Der Vorzeit Wunderlaute trüb verhallen;
Der alten Heimat dacht es voll Verlangen.
 
Da sieht es draußen Ströme, hell ergangen,
Durch zaubrisch Land viel Pilger, Sänger wallen,
Kühl rauscht der Wald, die lust'gen Hörner
schallen,
Aurora scheint, so weit die Blicke langen.
 
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O laß die Sehnsucht ganz dein Herz durchdringen!
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So legt sich blühend um die Welt dein Trauern
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Und himmlisch wird dein Schmerz und deine
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Sorgen.
 
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Ein frisch Gemüt mag wohl die Welt bezwingen,
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Ein recht Gebet bricht Banden bald und Mauern:
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Und frei springst du hinunter in den Morgen.
 
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Willkommen, Liebchen, denn am Meeresstrande!
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Wie rauschen lockend da ans Herz die Wellen
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Und tiefe Sehnsucht will die Seele schwellen,
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Wenn andre träge schlafen auf dem Lande.
 
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So walte Gott! - ich lös des Schiffleins Bande,
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Wegweiser sind die Stern, die ewig hellen,
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Viel Segel fahren da und frisch' Gesellen
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Begrüßen uns von ihrer Schiffe Rande.
 
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Wir sitzen still, gleich Schwänen zieht das Segel,
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Ich schau in deiner Augen lichte Sterne,
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Du schweigst und schauerst heimlich oft
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zusammen.
 
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Blick auf! Schon schweifen Paradiesesvögel,
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Schon wehen Wunderklänge aus der Ferne,
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Der Garten Gottes steigt aus Morgenflammen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.4 KB)

Details zum Gedicht „Der Fromme“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
31
Anzahl Wörter
200
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Der Fromme“ des Autors Joseph von Eichendorff. Eichendorff wurde im Jahr 1788 geboren. Im Zeitraum zwischen 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Romantik kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kunstgeschichte, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert hinein die Literatur, Musik, Kunst und Philosophie prägte. Auf die Literatur beschränkt betrachtet reichen die Auswirkungen der Epoche lediglich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Die Literaturepoche der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Literaturepoche der Romantik entstand in Folge politischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche. Im gesamten Europa fand ein Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft statt. Gleichermaßen bildete sich ein bürgerliches Selbstbewusstsein heraus. Technologischer Fortschritt und Industrialisierung sind prägend für diese Zeit. Bedeutende Motive in der Lyrik der Romantik sind die Ferne und Sehnsucht sowie das Gefühl der Heimatlosigkeit. Weitere Motive sind das Fernweh, das Nachtmotiv oder die Todessehnsucht. So symbolisierte die Nacht nicht nur die Dunkelheit, sondern auch das Geheimnisvolle, Mysteriöse und galt als Ursprung der Liebe. Typische Merkmale der Romantik sind die Hinwendung zur Natur, die Weltflucht oder der Rückzug in Traumwelten. Insbesondere ist aber auch die Idealisierung des Mittelalters aufzuzeigen. Architektur und Kunst des Mittelalters wurden von den Romantikern wieder geschätzt. Strebte die Klassik nach harmonischer Vollendung und Klarheit der Gedanken, so ist die Romantik von einer an den Barock erinnernden Maß- und Regellosigkeit geprägt. Die Romantik begreift die schöpferische Phantasie des Künstlers als unbegrenzt. Dabei baut sie zwar auf die Errungenschaften der Klassik auf. Deren Ziele und Regeln möchte sie aber hinter sich lassen.

Das Gedicht besteht aus 31 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 200 Worte. Joseph von Eichendorff ist auch der Autor für Gedichte wie „In Danzig“, „Kurze Fahrt“ und „Lied“. Zum Autor des Gedichtes „Der Fromme“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 391 Gedichte vor.

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