Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz von Carl Streckfuß

Umflattert von dem leichten irren Leben,
Durchhüpft der Knabe lächelnd seine Bahn,
Wo tausend Lichter glänzend ihn umschweben,
Wo sich ihm tausend leichte Träume nahn;
Von bunten Blumen sieht er sich umgeben,
Und jede lächelt froh den Frohen an.
Aus jeder Silberquelle schnellen Kräuseln,
Hört er geheime Freundesstimmen säuseln.
 
Ein Spiel sind ihm der Sonne goldne Strahlen,
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Die durch die Nacht der grünen Büsche fliehn,
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Ein Spiel die Gluthen, die den Osten mahlen,
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Die Flammen, die am Abendhimmel glühn,
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Ein Spiel der Sterne nahmenlose Zahlen,
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Und überall sieht er die Freude blühn,
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Selbst auf des Winters öden Schneegefilden
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Weiß seine Hand die Freundliche zu bilden.
 
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Doch bald, wenn sich des Lebens Flügel binden,
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Wird ernst des Jünglings Tritt, ernst wird sein Sinn,
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Er kann noch nicht das Licht der Wahrheit finden,
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Doch welket seiner Träume Lust dahin,
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Der Blumen liebliche Gestalten schwinden,
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Und doch sieht er noch nicht der Frucht Beginn.
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Am Quell, wo süße Stimmen ihm erklangen,
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Fühlt er von banger Sehnsucht sich befangen.
 
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Wie Gluth der Sonne drückt sie ihn darnieder,
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Er fühlet sie, doch er erkennt sie nicht,
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Sie kehret mit dem jungen Morgen wieder,
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Und unbefriedigt sieht er Hespers Licht,
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Den Sternen zu kehrt er die Augenlieder —
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Auch nicht der Himmel giebt, was ihm gebricht.
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Selbst in des Lenzes blumenvollen Auen
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Wird er nicht die verwelkten Blüthen schauen.
 
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Da naht mit Ernst im schönen Angesichte,
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Mit Hoheit in der herrlichen Gestalt,
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Die Freundschaft ihm, daß sich der Kummer flüchte,
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Sie stützet ihn mit göttlicher Gewalt,
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Sie leuchtet ihm mit heil’ger Wahrheit Lichte,
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Vertreibt das Dunkel, das den Pfad umwallt;
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Sie läßt bey keinem Schreckniß ihn verzagen,
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Und heißt ihn leben, kämpfen und ertragen.
 
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Doch bleiben öd’ und traurig die Gestade,
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Der Kummer floh, das Glück kam nicht zurück,
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Denn keine Blum’ entblühet seinem Pfade,
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Entbehren nur ist seines Daseyns Glück.
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Daß sich der Sehnsucht ganz sein Herz entlade,
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Ganz sich erhebe der gesunkne Blick,
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Kann selbst der Freundschaft Walten nicht erringen,
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Noch die verlornen Schätze wieder bringen.
 
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Doch frey und kühn, mit rosigem Gefieder,
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Umgaukelt von der Charitinnen Tanz,
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Steigt Amor aus des Himmels Höhen nieder,
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Und ihn umfließt ein wunderbarer Glanz.
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Es werde! spricht er — Sieh, da kehret wieder
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Der Frühling mit der jungen Rosen Kranz.
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Er lächelt nur — und durch die Flur verbreiten
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Sich nie geahnte Himmelsseeligkeiten.
 
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Des Westes Hauch weht in den milden Lüften,
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Vom Himmel tönt der Lerche Jubellied,
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Und tausend junge Blumenschaaren düften,
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In tausend Farben wunderbar entglüht —
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So wallt der Liebende durch schöne Triften,
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Wo ewig blauer Himmel ihn umzieht;
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So keimt die Ruh aus seinem bangen Streben,
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Und froh durchwallt er so das leichte Leben.
 
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So wirst auch du auf deinen Wiegen wallen,
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Sie führen durch ein schönes Freudenland,
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Dir lacht der Lenz mit seinen Kindern allen,
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Und jeder düstern Wolke Drohn verschwand,
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Denn Amor führt mit frohem Wohlgefallen
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Heut Hymene’n dir zu an zarter Hand.
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Die Pfeile und das flüchtige Gefieder
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Legt er auf Hymens heil’gem Altar nieder.
 
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Und liebend schlingt er seine Lilienarme
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Um Hymens Hals: Nie will ich von dir fliehn!
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Daß nie an Glück das edle Paar verarme,
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Soll stets mein Feu’r auf deinem Altar glühn,
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Und nie gebeugt von düsterm Gram und Harme,
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Soll beyden stets der Freude Rose blühn;
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Wie in der Kindheit ungetrübten Tagen,
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Soll sie des Lebens sanfte Woge tragen.
 
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Dieß ist’s, was heut euch Amors Huld verheissen,
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Er legt’ in euch den Quell der Seeligkeit;
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Mag nun um euch des Goldes Schimmer gleissen,
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Ihr seht es still und lächelnd ohne Neid.
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Was in euch lebt kann kein Geschick entreissen,
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Kein Sturm erschüttern, keine Macht der Zeit.
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Das Glück, das nie die karge Müh’ erzwungen,
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Hat frey um euch den Götterarm geschlungen.
 
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Nur in der Freude lachenden Gestaden,
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Ist’s, wo der Thaten schönster Keim entsprießt,
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Wo sich von jeder Erdenbürd’ entladen,
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Des Geistes Reichthum herrlicher ergießt;
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So wirst auch du, den auf des Guten Pfaden
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Zum Führer uns des Himmels Huld erkießt,
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Noch schöner jetzt durch Wort, und That und Leben,
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Der Tugend, wie des Glückes Beyspiel geben.

Details zum Gedicht „Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
96
Anzahl Wörter
673
Entstehungsjahr
1804
Epoche
Klassik,
Romantik

Gedicht-Analyse

Carl Streckfuß ist der Autor des Gedichtes „Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz“. Streckfuß wurde im Jahr 1778 in Gera geboren. 1804 ist das Gedicht entstanden. In Wien ist der Text erschienen. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her kann der Text den Epochen Klassik oder Romantik zugeordnet werden. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das vorliegende Gedicht umfasst 673 Wörter. Es baut sich aus 12 Strophen auf und besteht aus 96 Versen. Carl Streckfuß ist auch der Autor für Gedichte wie „Das Geständniß“, „Das Leben, ein Räthsel“ und „Das Riesenkind“. Zum Autoren des Gedichtes „Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz“ haben wir auf abi-pur.de weitere 50 Gedichte veröffentlicht.

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