Vom Strande von Joseph von Eichendorff

Ich rufe vom Ufer
Verlorenes Glück,
Die Ruder nur schallen
Zum Strande zurück.
 
Vom Strande, lieb Mutter,
Wo der Wellenschlag geht,
Da fahren die Schiffe,
Mein Liebster drauf steht.
Je mehr ich sie rufe,
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Je schneller ihr Lauf,
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Wenn ein Hauch sie entführet,
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Wer hielte sie auf?
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Der Hauch meiner Klagen
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Die Segel nur schwellt,
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Je mehr mein Verlangen
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Zurücke sie hält!
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Verhielt' ich die Klagen:
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Es löst' sie der Schmerz,
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Und Klagen und Schweigen
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Zersprengt mir das Herz.
 
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Ich rufe vom Ufer
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Verlorenes Glück,
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Die Ruder nur schallen
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Zum Strande zurück.
 
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So flüchtige Schlösser,
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Wer könnt ihn'n vertraun
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Und Liebe, die bliebe,
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Mit Freuden drauf baun?
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Wie Vögel im Fluge,
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Wo ruhen sie aus?
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So eilige Wandrer
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Sie finden kein Haus,
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Zertrümmern der Wogen
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Grünen Kristall,
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Und was sie berühren
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Verwandelt sich all,
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Es wandeln die Wellen
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Und wandelt der Wind
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Meine Schmerzen im Herzen
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Beständig nur sind.
 
41 
Ich rufe vom Ufer
42 
Verlorenes Glück,
43 
Die Ruder nur schallen
44 
Zum Strande zurück.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.5 KB)

Details zum Gedicht „Vom Strande“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
44
Anzahl Wörter
162
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „Vom Strande“. 1788 wurde Eichendorff geboren. In der Zeit von 1804 bis 1857 ist das Gedicht entstanden. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Bei Eichendorff handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hineinreichte. Insbesondere in den Bereichen der Literatur, Musik oder der bildenden Kunst hatte diese Epoche umfangreiche Auswirkungen. Die Romantik kann in drei Phasen aufgegliedert werden: Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848). Zu großen gesellschaftlichen Umbrüchen führte die Industrialisierung. Die neue Maschinenwelt förderte Verstädterung und Landflucht. Die zuvor empfundene Geborgenheit war für die Schriftsteller der Romantik in Auflösung begriffen. Die zentralen Motive der Literatur der Romantik sind das Schaurige, Leidenschaftliche, Unterbewusste, Fantastische, Individuelle, Gefühlvolle und Abenteuerliche, welche die Grenzen des Verstandes sprengen und erweitern sollen und sich gegen das bloße Nützlichkeitsdenken sowie die Industrialisierung richten. Die Romantiker sehnen sich nach der Einheit von Geist und Natur. Ein Hinwenden zum Mittelalter ist erkennbar. So werden Kunst und Architektur dieser vergangenen Zeit geschätzt. Die Missstände dieser Zeit bleiben jedoch unerwähnt. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über die Form als auch über den Inhalt des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die festen Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken ist zu beobachten.

Das 162 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 44 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joseph von Eichendorff sind „Antwort“, „Auch ein Gedicht?“ und „Der Isegrimm“. Zum Autor des Gedichtes „Vom Strande“ haben wir auf abi-pur.de weitere 391 Gedichte veröffentlicht.

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