Herkules Haus von Joseph von Eichendorff

König Rodrich in Toledo,
Seiner Krone Glanz zu mehren,
Ließ ein groß Turnier verkünden.
Hell schon die Trompeten schmettern,
Sechzigtausend Ritter kamen,
Die zu kämpfen dort begehrten.
Doch, bevor der Kampf begonnen
Zu ihm die Toleder treten
Bittend, daß er Tor und Riegel
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Woll mit neuem Schloß versehen
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An des Herkules Palaste,
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Wie's bisher der Brauch gewesen.
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Aber in dem alten Hause
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Dacht er, reichen Schatz zu heben,
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Ließ die Riegel all zerbrechen
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Und des Tempels Tore sprengen.
 
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Als er eintrat, war's so still drin,
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Nur ein Spruch glänzt' ihm entgegen:
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»Weh dir, Rodrich, denn der König,
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Der betreten diese Schwelle,
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Der gebrochen diese Stille,
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Wird Hispanien versengen!«
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Seitwärts hinter einem Pfeiler
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War ein prächt'ger Schrank zu sehen,
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Drinnen lagen fremde Banner
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Mit Figuren zum Erschrecken,
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Und Araber, hoch zu Rosse,
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Funkelnd mit gezückten Schwertern,
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Hielten an dem Schrein die Wache,
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Lautlos, ohne sich zu regen.
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Rodrich wandt sich vor Entsetzen,
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Wollt fortan nichts weiter sehen,
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Und ein Blitzstrahl zuckt' vom Himmel
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Und verbrannt den Zaubertempel.
 
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Übers Meer wohl sandt er Kriegsvolk,
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Sollten Afrika erwerben,
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Wetter stiegen, wo sie fuhren,
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Mußten all im Meer verderben.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.4 KB)

Details zum Gedicht „Herkules Haus“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
38
Anzahl Wörter
185
Entstehungsjahr
1788 - 1857
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Joseph von Eichendorff ist der Autor des Gedichtes „Herkules Haus“. Der Autor Joseph von Eichendorff wurde 1788 geboren. Im Zeitraum zwischen 1804 und 1857 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Romantik zuordnen. Eichendorff ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kulturgeschichte, zeitlich anzusiedeln vom späten 18. Jahrhundert bis tief in das 19. Jahrhundert hinein. Auf die Literatur bezogen: von 1795 bis 1848. Sie hatte verschiedenste Auswirkungen auf Literatur, Musik, Philosophie und Kunst jener Zeit. Die Literatur der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Zeit der Romantik war für die Menschen in Europa von Umbrüchen geprägt. Die Französische Revolution (1789 - 1799) zog weitreichende Folgen für ganz Europa nach sich. Auch der Fortschritt in Technik und Wissenschaft, der den Beginn des industriellen Zeitalters einläutete, verunsicherte die Menschen und prägte die Gesellschaft. Weltflucht, Hinwendung zur Natur, Verklärung des Mittelalters (damalige Kunst und Architektur wurde nun wieder geschätzt), Rückzug in Fantasie- und Traumwelten, Betonung des Individuums und romantische Ironie sind typische Merkmale der Romantik. Die Themen der Romantik zeigen sich in verschiedenen Motiven und Symbolen. So gilt beispielsweise die Blaue Blume als das zentrale Motiv der romantischen Literatur. Sie symbolisiert Liebe und Sehnsucht und verbindet Natur, Mensch und Geist. Die Nacht hat ebenfalls eine besondere Bedeutung in der Romantik. Sie ist der Schauplatz für zahlreiche weitere Motive dieser Epoche: Tod, Vergänglichkeit und nicht alltägliche, obskure Phänomene. Im ebenfalls in dieser Epoche zu findenden Spiegelmotiv zeigt sich die Hinwendung der Romantik zum Unheimlichen. Die äußere Form von romantischer Dichtung ist völlig offen. Kein festgesetztes Schema grenzt die Literatur ein. Dies steht ganz im Gegensatz zu den strengen Normen der Klassik. In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannte Beispiele dafür sind Grimms Märchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits unmittelbar nach Erscheinen der Werke wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen.

Das 185 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 38 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joseph von Eichendorff sind „In Danzig“, „Kurze Fahrt“ und „Lied“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Herkules Haus“ weitere 391 Gedichte vor.

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