Bei näherer Bekanntschaft von Kurt Tucholsky

Von ferne gleichen die Großen im Geist
den Göttern, den hehren.
Solange du nichts von ihnen weißt,
kannst du sie verehren.
Doch hast du mit Deutschlands Musenpracht
erst nähere Bekanntschaft gemacht,
dann schick deine Illusionen man pennen:
Du mußt sie nicht kennen! Du mußt sie nicht kennen!
 
Der flicht an der alten Griechen Statt
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die tragische Kette –
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doch verreißt ihn das Nordhausener Tageblatt,
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dann fällt er aus’t Bette.
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Der meckert im Alter wie ein Bock
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und kriecht einer Tänzerin unter den Rock.
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Und was sie an Damen ihr Eigen nennen:
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Du mußt sie nicht kennen! Du mußt sie nicht kennen!
 
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Denn mit etwas hat Gott sie schön angeschmiert:
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mit ihren Frauen.
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„Mein Mann, mein Mann!“
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Dergleichen blamiert:
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ein Weibstück, scheeläugig und verschmiert,
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in den himmlischen Gauen.
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Der sitzt in der Höhle, ein krötiger Greis,
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der spricht nur von sich, weil er sonst nichts weiß …
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Von weitem! Laß sie am Himmel brennen!
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In Büchern und an Rundfunkantennen …
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Aber: Du mußt sie nicht kennen! Du mußt sie nicht kennen!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Bei näherer Bekanntschaft“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
27
Anzahl Wörter
168
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit,
Exilliteratur

Gedicht-Analyse

Kurt Tucholsky ist der Autor des Gedichtes „Bei näherer Bekanntschaft“. Der Autor Kurt Tucholsky wurde 1890 in Berlin geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1929 zurück. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit oder Exilliteratur zu. Bei dem Schriftsteller Tucholsky handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

In der Literatur der Weimarer Republik wurden auf inhaltlicher Ebene häufig die Ereignisse des Ersten Weltkrieges verarbeitet. Sowohl der Erste Weltkrieg als auch die späteren politischen Gegebenheiten der Weimarer Republik sind prägende Faktoren für diese Epoche. Bei der Neuen Sachlichkeit war der Inhalt der Texte wichtiger als die Form. Die Schreiber dieser Bewegung wollten mit ihren Texten möglichst viele Menschen aus allen sozialen Schichten ansprechen. Aus diesem Grund wurden die Texte in einer alltäglichen Sprache verfasst und wurden oft im Stile einer dokumentarisch-exakten Reportage geschrieben. Viele Schriftsteller litten unter der Zensur in der Weimarer Republik. Im Jahr 1922 wurde nach einem Attentat auf den Reichsaußenminister das Republikschutzgesetz erlassen, das die zunächst verfassungsmäßig garantierte Freiheit von Wort und Schrift in der Weimarer Republik deutlich einschränkte. In der Praxis wurde dieses Gesetz allerdings nur gegen linke Autoren angewandt. Aber gerade die rechts gerichteten Schriftsteller waren es häufig, die in ihren Werken offen Gewalt verherrlichten. Die Grenzen der Zensur wurden 1926 durch das sogenannte Schund- und Schmutzgesetz nochmals verstärkt. Die Beschlagnahmung von Schriften und das Verbot von Zeitungen wurden durch die Pressenotverordnung im Jahr 1931 ermöglicht.

Zur Zeit des Nationalsozialismus mussten viele Autoren ins Ausland fliehen. Dort entstand die sogenannte Exilliteratur. Ausgangspunkt der Exilbewegung ist der Tag der Bücherverbrennung im Jahr 1933 im nationalsozialistischen Deutschland. Alle nicht-arischen Werke wurden verboten und symbolträchtig verbrannt. Daraufhin flohen zahlreiche Schriftsteller aus Deutschland. Die Exilliteratur der Literaturgeschichte Deutschlands bildet eine eigene Literaturepoche und folgt auf die Neue Sachlichkeit der Weimarer Republik. Die Exilliteratur lässt sich insbesondere an den thematischen Schwerpunkten wie Sehnsucht nach der Heimat, Widerstand gegen Nazi-Deutschland oder Aufklärung über den Nationalsozialismus ausmachen. Bestimmte formale Merkmale lassen sich jedoch nicht finden. Allerdings gab es einige neue Gattungen, die in dieser Literaturepoche geboren wurden. Das epische Theater von Brecht oder auch die historischen Romane waren neue Textsorten der Literatur. Aber auch Radioreden oder Flugblätter der Widerstandsbewegung sind hierbei als neue Textsorten zu erwähnen. Oftmals wurden die Texte auch getarnt, so dass sie trotz Zensur nach Deutschland gebracht werden konnten. Dies waren dann die sogenannten Tarnschriften.

Das 168 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 27 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Weitere Werke des Dichters Kurt Tucholsky sind „An Peter Panter“, „An das Publikum“ und „An die Meinige“. Zum Autor des Gedichtes „Bei näherer Bekanntschaft“ haben wir auf abi-pur.de weitere 136 Gedichte veröffentlicht.

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