Der Schatz von Heinrich Seidel

Ein Araber, den Wüstentrug verwirrte,
Dass in der Oede er den Pfad verlor
Und tagelang in Sonnengluthen irrte,
Fand endlich einen kühlen Brunnen vor.
Begierig trank er von der feuchten Fluth
Und löschte der verdorrten Kehle Gluth.
Doch nun begann mit neuer Kraft zu nagen
Der Hunger, den er lange schon ertragen.
Er sah sich um, gestützt von seinem Stocke,
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Sah über sich des Himmels leere Glocke
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Und weit und breit nur Steine rings und Sand,
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Und ohne jedes Grün die öden Fluren,
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Gelagert in der Sonne heissem Brand.
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Doch als er folgte den verwehten Spuren
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Der Karawane, die hier kürzlich zog
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Welch Freudenglanz sein Antlitz überflog,
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Denn ein gefüllter Sack lag dort im Sande!
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Ein solcher war es, drin man dortzulande
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Als Reisevorrath Datteln mit sich trägt.
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Da wird sein Herz von Freude tiefbewegt,
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Er stürzt hinzu und reisset an den Schnüren,
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Begierig, um den Inhalt zu erspüren!
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Und, siehe da, welch ungeahnter Segen,
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Welch Reichthum, Tausende an Werth,
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Welch seltne Schätze leuchten ihm entgegen!
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Allein der Mann, vom Hunger halb verzehrt,
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Empfindet drob von Freude keine Spur
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Und seufzt voll Schmerz:
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"Ach, Perlen sind es nur!"
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25 KB)

Details zum Gedicht „Der Schatz“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
29
Anzahl Wörter
188
Entstehungsjahr
1842 - 1906
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Heinrich Seidel ist der Autor des Gedichtes „Der Schatz“. 1842 wurde Seidel in Perlin (Mecklenburg-Schwerin) geboren. In der Zeit von 1858 bis 1906 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Realismus, Naturalismus oder Moderne zuordnen. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das Gedicht besteht aus 29 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 188 Worte. Heinrich Seidel ist auch der Autor für Gedichte wie „Der Luftballon“, „April“ und „Die Musik der armen Leute“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Der Schatz“ weitere 216 Gedichte vor.

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