Ballade des äußeren Lebens von Hugo von Hofmannsthal
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Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, |
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Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben, |
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Und alle Menschen gehen ihre Wege. |
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Und süße Früchte werden aus den herben |
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Und fallen nachts wie tote Vögel nieder |
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Und liegen wenig Tage und verderben. |
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Und immer weht der Wind, und immer wieder |
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Vernehmen wir und reden viele Worte |
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Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder. |
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Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte |
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Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen, |
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Und drohende, und totenhaft verdorrte … |
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Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen |
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Einander nie? und sind unzählig viele? |
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Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen? |
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Was frommt das alles uns und diese Spiele, |
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Die wir doch groß und ewig einsam sind |
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Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele? |
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Was frommts, dergleichen viel gesehen haben? |
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Und dennoch sagt der viel, der »Abend« sagt, |
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Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt |
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Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben. |
Details zum Gedicht „Ballade des äußeren Lebens“
Hugo von Hofmannsthal
8
22
151
1896
Moderne
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht ist „Ballade des äußeren Lebens“ von Hugo von Hofmannsthal, der zwischen 1874 und 1929 lebte, und somit in die Epoche der Moderne einzusortieren ist.
Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht melancholisch und nachdenklich, es hinterlässt beim Leser ein Gefühl der Vergänglichkeit und Einsamkeit.
Inhaltlich beleuchtet das lyrische Ich verschiedene Aspekte des Lebens und die Verknüpfung des Menschen mit der Natur und der Welt um ihn herum. Es beginnt mit der Betrachtung der Kinder, die aufwachsen und sterben, ohne wirklich etwas zu wissen. Weiter geht es mit der Veränderung in der Natur, wie zum Beispiel den Früchten, die aus bitteren Knospen süß werden und dann wie tote Vögel fallen und verderben. Die Veränderlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens wird hier deutlich. Menschen reden, empfinden Lust und Müdigkeit, doch im Endeffekt sind sie einsam und ziellos in ihrer Existenz. Orte werden auf- und wieder abgebaut, die Menschen wechseln ihre Stimmungen – eine permanente Veränderung, die keinen wirklichen Sinn zu haben scheint.
Die Sprache des Gedichts ist relativ einfach und direkt, obwohl sie vielfache Metaphern und Vergleiche enthält. Die Wahl der Wörter erzeugt eine melancholische und nachdenkliche Stimmung. Es werden viele Fragen gestellt, die auf die Sinnlosigkeit des Lebens hindeuten.
Die Form des Gedichts ist eine einheitliche Balladenform mit drei Versen pro Strophe, bis auf die letzte Strophe, die aus einem einzelnen Vers besteht. Hofmannsthal benutzt hier keinen bestimmten Reimschema, was dem nachdenklichen und melancholischen Ton des Gedichts entspricht.
Zusammenfassend beschreibt das lyrische Ich in der Ballade das vergehende Leben und die Veränderungen in der Natur, um die Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit des Lebens zu betonen. Es stellt eine Verbindung zwischen Mensch und Natur her und lässt den Leser über den Sinn des Lebens und die unvermeidliche Vergänglichkeit nachdenken.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Ballade des äußeren Lebens“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Hugo von Hofmannsthal. Der Autor Hugo von Hofmannsthal wurde 1874 in Wien geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1896. Leipzig ist der Erscheinungsort des Textes. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Moderne zuordnen. Der Schriftsteller Hofmannsthal ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 22 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 151 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Hugo von Hofmannsthal sind „Die beiden“, „Ein Knabe“ und „Ein Traum von großer Magie“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Ballade des äußeren Lebens“ weitere 40 Gedichte vor.
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Zum Autor Hugo von Hofmannsthal sind auf abi-pur.de 40 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
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