Die Gaben von Heinrich Seidel

Es war ein Pastor, wer weiß wo?
Der predigte nur leeres Stroh,
und manche Klage war geschehn.
Ihn selbst zu hören und zu sehn,
beschloß der Superintendent.
Und als die Predigt war zu End,
da mußte er bedauernd sagen:
Die Leute haben recht, zu klagen.
Wie bring' ich ihm das glimpflich bei,
10 
daß ihm das nicht zu schimpflich sei?
11 
Und darum fing der gute Mann
12 
ganz heimlich und verloren an:
13 
"Ich hörte sie und war ganz Ohr.
14 
Doch, wie bereiten sie sich vor,
15 
mein lieber Bruder, möcht ich wissen?"
16 
Und jener drauf: "Das kann ich missen!
17 
So mancher druckt und sinnt und schreibt
18 
ich rede, wie der Geist nicht treibt!"
19 
"Ei, ei, was sind mir das für Sachen!
20 
So könnt' ich das fürwahr nicht machen!"
21 
Sprach nun der Superintendent:
22 
"Das wäre nicht mein Element.
23 
Am Donnerstag schon fang ich an
24 
und überlege mir den Plan.
25 
Am Freitag wird er dann entfaltet
26 
und durchgeführt und ausgestaltet.
27 
Dann schreib ich alles sorglich auf
28 
und lern' es in des Samstags Lauf
29 
und bin dann sicher meiner Sachen
30 
so, denk' ich, müßt' es jeder machen!"
31 
Der Pastor aber schmunzelt sehr,
32 
als ob ihm stark geschmeichelt wär.
33 
"Ja, ja, das glaub' ich. Sicherlich
34 
kann das nicht jedermann wie ich
35 
das muß der Mensch so in sich haben,
36 
mein lieber Bruder - das sind Gaben!"
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26 KB)

Details zum Gedicht „Die Gaben“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
219
Entstehungsjahr
1842 - 1906
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Die Gaben“ des Autors Heinrich Seidel. 1842 wurde Seidel in Perlin (Mecklenburg-Schwerin) geboren. In der Zeit von 1858 bis 1906 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Realismus, Naturalismus oder Moderne zuordnen. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das 219 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 36 Versen mit nur einer Strophe. Heinrich Seidel ist auch der Autor für Gedichte wie „Hänschen auf der Jagd“, „Der Luftballon“ und „April“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Die Gaben“ weitere 216 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Heinrich Seidel (Infos zum Autor)

Zum Autor Heinrich Seidel sind auf abi-pur.de 216 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.