Dem Monde von Rudolf Gottschall

Ich flüchte aus der Welt der Sonnen
In deine bleiche Schattenwelt!
Erquickung strömt, ein frischer Bronnen,
Dein Strahlenquell am Himmelszelt.
Du wanderst über fernen Gipfeln
Wie ein geheimes Sehnen hin,
Und über den verklärten Wipfeln
Schwebst du, der Blüten Königin.
 
Aufdringlich ist des Tages Leuchte,
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Die spähend ins Verborgne schaut;
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Dich grüßt die Flur, die tränenfeuchte,
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Die dir ein stilles Glück vertraut,
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Und wachgeküßt von nächt'gen Winden
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Erschließt die scheue Blume sich;
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Wenn Schatten sich zu Schatten finden,
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Ergreift's die Seele heimatlich.
 
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Ja leuchten mag den ewig Klaren
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Das Taggestirn mit prächt'gem Schein
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Ein ahnungsvolles Offenbaren
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Quillt aus der Mondennacht allein.
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Wenn zwischen Blumen unter Sternen
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Der Falter durch den Dämmer schwebt,
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Dann wirst du das Geheinnis lernen,
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Das zwischen Erd' und Himmel webt.
 
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Dann schmilzt und löst sich alles Feste
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Und jede starre Schranke bricht;
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Dann scheint das Schlimmste und das Beste
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Mir nur das gleiche Traumgesicht:
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Der Mächt'gen Trotz, die Not der Armen,
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Der Tugend Qual, des Frevels Lust,
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Und mit unendlichem Erbarmen
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Erfüllt der Menschheit Los die Brust.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Dem Monde“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
171
Entstehungsjahr
1823 - 1909
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz,
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Dem Monde“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Rudolf Gottschall. 1823 wurde Gottschall in Breslau geboren. In der Zeit von 1839 bis 1909 ist das Gedicht entstanden. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Biedermeier, Junges Deutschland & Vormärz, Realismus, Naturalismus oder Moderne zugeordnet werden. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das vorliegende Gedicht umfasst 171 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 32 Versen. Rudolf Gottschall ist auch der Autor für Gedichte wie „Am Rhein“, „Herrnhuter Romanze“ und „Heimkehr“. Zum Autor des Gedichtes „Dem Monde“ haben wir auf abi-pur.de weitere 10 Gedichte veröffentlicht.

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