Auskehr von Joachim Ringelnatz

Schundige, verbrauchte Besen wollen,
Nur aus schmutzig-dunklem Hintergrund:
Mummgedachte dummgemachte Menschen sollen
Ihnen helfen gegen Schmutz und Schund.
 
Wollen also scheinbar Straßen reinigen,
Nicht vor eigner Türe, nein! O nein!
Herrschen wollen sie und peinigen.
Denn man sah in ihren Stiel hinein.
 
Und da fand man in den Stielen Knuten
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Aus der mittelalterlichsten Zeit.
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Und wir andern müssen uns nun sputen,
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Denn die Besen stehen kampfbereit.
 
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Sagen wir nur: Nein!
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In die Ecke, Besen, Besen!
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In dem Dreck, wo ihr gewesen
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Seid, macht euern Dreck allein!
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Nicht verhandeln.
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Denn wir wollen rein,
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Auch durch Schmutz und Schund, in Freiheit wandeln.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.3 KB)

Details zum Gedicht „Auskehr“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
19
Anzahl Wörter
100
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Auskehr“ wurde von Joachim Ringelnatz verfasst, einem bedeutenden Lyriker und Autor der Weimarer Republik. Er lebte von 1883 bis 1934, daher lässt sich das Werk in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts einordnen.

Beim ersten Lesen ist das Gedicht etwas schwierig zu erfassen, aber es scheint eine gewisse gesellschaftskritische Note zu haben. Es ist eine eher düstere und ernste Betrachtung von Institutionen oder Personen, welche die Autorität ausüben.

Im Gedicht stellt das lyrische Ich „verbrauchte Besen“ dar, die als Metapher für abgegenutzte, überholte Systeme oder Autoritäten gedeutet werden könnten. Diese „Besen“ behaupten, Straßen reinigen zu wollen, aber das lyrische Ich legt nahe, dass sie tatsächlich herrschen und quälen wollen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass diese Besen Knuten aus der mittelalterlichsten Zeit in ihren Stielen haben, was auf eine veraltete und möglicherweise unterdrückerische Art des Denkens und Handelns hinweisen könnte. Das lyrische Ich ruft dazu auf, sich gegen diese Besen zu stellen und in Freiheit zu wandeln, sogar durch Schmutz und Schund.

Ringelnatz Gedicht besteht aus Vierzeilern bis auf die letzte, siebenzeilige Strophe. Der Reim ist unregelmäßiges Endreim und unterstützt so die kritische Aussage des Gedichts. Der Aufbau des Gedichts und die Wahl der Worte sind sehr sprachgewandt und gleichzeitig dramatisch. Die Wiederholung am Ende, „Nein! In die Ecke, Besen, Besen!“, signalisiert eine starke Ablehnung des Status quo und einen Willen zur Änderung.

Die Sprache des Gedichts ist recht direkt und unverschnörkelt, wobei die Autorität der „Besen“ in Frage gestellt wird. Ringelnatz gebraucht eine aggressive, provozierende Bildsprache, um seine Kritik auszudrücken. Das Gedicht ist sehr symbolisch, und Ringelnatz nutzt die Metaphern effektiv, um seine Botschaft zu vermitteln. Es ist eine anspruchsvolle social commentary, die viele Fragen über Autorität, Unterdrückung und Freiheit aufwirft.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „Auskehr“ ist Joachim Ringelnatz. Im Jahr 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1928. In Berlin ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Der Schriftsteller Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 100 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 19 Versen. Die Gedichte „...als eine Reihe von guten Tagen“, „7. August 1929“ und „Abendgebet einer erkälteten Negerin“ sind weitere Werke des Autors Joachim Ringelnatz. Zum Autor des Gedichtes „Auskehr“ haben wir auf abi-pur.de weitere 560 Gedichte veröffentlicht.

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