Abschied an Selmar von Susanne von Bandemer

So nimm es hin, das Opfer meiner Thränen,
Das dir der bittre Schmerz betrog’ner Liebe bringt.
Sey glücklich! fühle nicht dies martervolle Sehnen
Des Herzens, das so qualvoll ringt.
 
Nie werd’ ich dich und meiner Liebe fluchen,
Obgleich in meiner Brust die Angst der Hölle glüht:
Vergebens würd’ ich jetzt mir Trost und Ruhe suchen,
Da beides mir mit dir entflieht.
 
Du raubtest mir – das mag dir Gott vergeben –
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Was mir im Unglückssturm des Schicksals treulich blieb:
 
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Den hohen Muth sich selber zu erheben,
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Der mich zum edlen Dulden trieb.
 
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Da sink’ ich nun von meines Lebenshöhen
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Durch deine Wankelmuth vernichtet, tief herab.
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O, mußt ich einst nur darum dich verstehen,
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Um schnell zu reifen für das Grab?
 
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Ich fand in dir, was ich so lang’ vergebens
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In Idealen mir geschaffen und ersehnt;
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In dir, genoß ich jetzt des bessern höhern Lebens,
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Worin der Mensch sich göttlich wähnt.
 
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Und trauend ihm, dem schönsten der Phantome!
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Lebt ich allein für dich, dir huldigte mein Herz;
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Was that ich, Grausamer! daß du zu meinem Lohne,
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Mir giebst der Seele höchsten Schmerz?
 
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Du willst von mir nur Freundschaft nicht mehr Liebe;
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Ists möglich! hör’ ich recht? seit wann genügt sie dir?
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O, der allmächtigste und süßeste der Triebe,
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Ist ja der beßre Theil von mir.
 
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Für dich allein durchglühte mich dies Feuer,
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Das von der Gottheit stammt, und nur im Tod’ erlischt:
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Sey frey! kannst du es seyn – du bist mir ewig theuer,
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Bis einst dein Bild das Grab verwischt.
 
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Du findest nie, was du zurück gegeben;
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Ein Herz so liebevoll, so ganz an dir gebannt;
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So treu, so einzig dein, das selbst in jenem Leben
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Mein Himmel ruht in deiner Hand.
 
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Du brichst den Bund, und meine Thränen fließen
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Der bängsten Wehmuth voll auf dies zerriß’ne Herz. –
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O, möchtest du sie einst aus Reue nicht vergießen,
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Aus Jammer über meinem Schmerz.
 
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Wenn ich den Kampf bald überstanden habe,
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Des Lebens Lüge flieht, die Wahrheit mich umgiebt:
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Dann komm’ und weine sanft auf meinem stillen Grabe
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Um die, so dich zu heiß geliebt.
 
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Du täuschtest sie, und raubtest ihrem Blicke
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Der Liebe Ideal, das mich mit dir vereint.
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Der Zauber ist gelös’t, und nichts bleibt mir zurücke –
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Ists möglich –! als ein kalter Freund?
 
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Wohlan es sey! – zerrissen sey die Kette
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Die stark und magisch sich um unsre Seelen schloß.
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O, daß ich nie in dir den Mann gesehen hätte,
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Dem glühend diese Thräne floß!

Details zum Gedicht „Abschied an Selmar“

Anzahl Verse
14
Anzahl Zeilen
52
Anzahl Wörter
404
Entstehungsjahr
1802
Epoche
Klassik,
Romantik

Gedicht-Analyse

Die Autorin des Gedichtes „Abschied an Selmar“ ist Susanne von Bandemer. Geboren wurde Bandemer im Jahr 1751 in Berlin. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1802. In Berlin ist der Text erschienen. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her lässt sich das Gedicht den Epochen Klassik oder Romantik zuordnen. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das vorliegende Gedicht umfasst 404 Wörter. Es baut sich aus 14 Versen auf und besteht aus 52 Zeilen. Die Dichterin Susanne von Bandemer ist auch die Autorin für Gedichte wie „Am Sarkophage der Frau Anne Luise Karschinn, geborne Dürbach“, „An * * * bey der Übersendung einer Haarlocke“ und „An Elise Reichsgräfin zu S * * * L * * *“. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Abschied an Selmar“ weitere 86 Gedichte vor.

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