Die Ulme zu Hirsau von Ludwig Uhland

Zu Hirsau in den Trümmern,
Da wiegt ein Ulmenbaum
Frischgrünend seine Krone
Hoch überm Giebelsaum.
 
Er wurzelt tief im Grunde
Vom alten Klosterbau,
Er wölbt sich statt des Daches
Hinaus in Himmelblau.
 
Weil des Gemäuers Enge
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Ihm Luft und Sonne nahm,
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So trieb's ihn hoch und höher,
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Bis er zum Lichte kam.
 
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Es ragen die vier Wände,
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Als ob sie nur bestimmt,
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Den kühnen Wuchs zu schirmen,
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Der zu den Wolken klimmt.
 
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Wenn dort im grünen Tale
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Ich einsam mich erging,
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Die Ulme war's, die hehre,
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Woran mein Sinnen hing.
 
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Wenn in dem dumpfen stummen
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Getrümmer ich gelauscht,
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Da hat ihr reger Wipfel
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Im Windesflug gerauscht.
 
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Ich sah ihn oft erglühen
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Im ersten Morgenstrahl,
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Ich sah ihn noch erleuchtet,
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Wann schattig rings das Tal.
 
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Zu Wittenberg im Kloster
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Wuchs auch ein solcher Strauß
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Und brach mit Riesenästen
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Zum Klausendach hinaus.
 
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Oh Strahl des Lichts, du dringest
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Hinab in jede Gruft;
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Oh Geist der Welt, du ringest
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Hinauf in Licht und Luft.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.3 KB)

Details zum Gedicht „Die Ulme zu Hirsau“

Anzahl Strophen
9
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
161
Entstehungsjahr
1787 - 1862
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Ludwig Uhland ist der Autor des Gedichtes „Die Ulme zu Hirsau“. 1787 wurde Uhland in Tübingen geboren. Das Gedicht ist in der Zeit von 1803 bis 1862 entstanden. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Romantik kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Der Schriftsteller Uhland ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Der Romantik vorausgegangen waren die Epochen der Weimarer Klassik und der Aufklärung. Die Literaturepoche der Romantik ist zeitlich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein einzuordnen. Besonders auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik hatte diese Epoche Auswirkungen. Die Literatur der Romantik (ca. 1795–1848) lässt sich in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) aufgliedern. Die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts galt im Allgemeinen als wissenschaftlich und aufstrebend, was hier vor allem durch die einsetzende Industrialisierung deutlich wird. Die damalige Gesellschaft wurde zunehmend technischer, fortschrittlicher und wissenschaftlicher. Diese Entwicklung war den Schriftstellern der Romantik zuwider. Sie stellten sich in ihren Werken gegen das Streben nach immer mehr Gewinn, Fortschritt und das Nützlichkeitsdenken, das versuchte, alles zu verwerten. Bedeutende Motive in der Lyrik der Romantik sind die Ferne und Sehnsucht sowie das Gefühl der Heimatlosigkeit. Andere Motive sind das Fernweh, die Todessehnsucht oder das Nachtmotiv. So symbolisierte die Nacht nicht nur die Dunkelheit, sondern auch das Geheimnisvolle, Mysteriöse und galt als Quelle der Liebe. Typische Merkmale der Romantik sind die Hinwendung zur Natur, die Weltflucht oder der Rückzug in Traumwelten. Insbesondere ist aber auch die Idealisierung des Mittelalters aufzuzeigen. Kunst und Architektur des Mittelalters wurden von den Romantikern wieder geschätzt. Die Romantik stellt die Freiheit der Phantasie sowohl über den Inhalt als auch über die Form des Werkes. Eine Konsequenz daraus ist ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Lyrik und Epik. Die starren Regeln und Ziele der Klassik werden in der Romantik zurückgelassen. Eine gewisse Maß- und Regellosigkeit in den Werken fällt auf.

Das vorliegende Gedicht umfasst 161 Wörter. Es baut sich aus 9 Strophen auf und besteht aus 36 Versen. Der Dichter Ludwig Uhland ist auch der Autor für Gedichte wie „Der König auf dem Thurme“, „Des Sängers Fluch“ und „Die Kapelle“. Zum Autor des Gedichtes „Die Ulme zu Hirsau“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 57 Gedichte vor.

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