An einen Hagestolzen von Johann Baptist Alxinger

Du willst, so stark dein Herz auch schlägt,
Den Wunsch vom Schöpfer drein gelegt,
Der Menschheit Wunsch ihm nie gewähren;
Voll wonniger Melancholie
Der edlern Liebe Lispeln nie,
Und nie den Vaternamen hören.
 
Die Jugend flieht allmählig hin,
So frisch auch deine Wangen glühn,
So sternhell auch dein Auge funkelt,
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Das Alter, schneller als man glaubt,
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Hat bald der Wang’ ihr Roth geraubt,
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Hat bald ein helles Aug verdunkelt.
 
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Und dann, dann rächt sich die Natur;
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Der Ehelose scherze nur,
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Er büßt für diese Frevlerscherze;
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Er sieht auf einmal um sich her
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Die ganze weite Schöpfung leer,
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So leer und düster, wie sein Herze.
 
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Und o wies edle Seelen kränkt,
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Zusammen in sein Ich gedrängt
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Stirbt er durch viele lange Jahre.
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Nie rollet in sein einsam Grab
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Der Wehmuth sanfte Thrän’ hinab,
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Sein Erbe lächelt bey der Bahre.
 
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Nicht so, wer in der Seinen Kreis
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Des Lebens zu geniessen weiß;
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Der fühlt den Werth von jeder Stunde,
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Wenn er in ihren Zirkel kömmt,
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Dann ists ein Jauchzen, Segen strömt
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Entgegen ihm aus jedem Munde.
 
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Sanft ist sein Leben, sanft sein Tod,
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Er that, wie die Natur geboth,
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Sieht sich verjüngt in seinen Sprossen,
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Sein guter Schöpfer rufet ihn,
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Er eilt ins bessre Leben hin,
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Nachdem er dieses ganz genossen.
 
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Er segnet seine Kinder noch,
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Lehrt sie des Heilands sanftes Joch,
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Und spricht entzückt von dessen Lohne,
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Küßt seiner Jugend Weib, wird blaß,
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Und eilt, von ihren Thränen naß,
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Hinauf zu des Vergelters Throne.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „An einen Hagestolzen“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
243
Entstehungsjahr
1780
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Johann Baptist Alxinger ist der Autor des Gedichtes „An einen Hagestolzen“. Geboren wurde Alxinger im Jahr 1755 in Wien. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1780. Halle ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit oder Sturm & Drang zu. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das 243 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 42 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Weitere Werke des Dichters Johann Baptist Alxinger sind „An den Freyherrn von Gebler“, „An Herrn Hofrath von Greiner“ und „Haschka an mich“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „An einen Hagestolzen“ weitere 23 Gedichte vor.

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