An Denis von Johann Baptist Alxinger

Du edler Mann, und schallt’ im Vaterlande
Auch nicht ein einzig Lied von dir,
Und sähst du nicht das Reich der Wissenschaften
Mit einem Blicke durch:
 
Und hättest du die Lehrer jedes Alters,
Dir Weisen jedes Volks auch nicht,
Sie all umglänzt mit Ruhm, in hellen Reihen
Vor uns vorbeygeführt:
 
Und tönete der Nachhall deines Ruhmes
10 
Nicht bis zumn fernsten Norden hin,
11 
Mein Denis! doch nicht minder würd' ich ehren,
12 
Nicht minder lieben dich.
 
13 
Denn was ist Macht des Liebs, weitkreisend Wissen,
14 
Und dringen in der Dinge Mark?
15 
Ein zweifelhaft Geschenk, deß Werth und Unwerth
16 
Stets unser Herz bestimmt.
 
17 
Ein Herz, wie deines, Freund, das immer offen
18 
Für jedes himmlische Gefühl,
19 
Sich selber gleich bleibt, nie durch niedre Wünsche
20 
Sich abgewürdigt hat;
 
21 
Das dich ermahnt, dein Wissen unterm Schleyer
22 
Der lächelnden Bescheidenheit
23 
Zu bergen, leichter Ansprach’ heitrer Blicke,
24 
Und frohen Muths zu seyn;
 
25 
Das eiferend für Gott, und Recht und Tugend,
26 
Doch duldsam auch und nachsichtsvoll
27 
Den Irrenden nicht richtet, jedem Edlen
28 
Sich mittheilt brüderlich,
 
29 
Sich gern ergießt, wenn rings die Heldenjugend
30 
Um dich versammelt horcht, und du
31 
Hold, wie ihr Schutzgeist stehst, und freundlichlispelnd
32 
In ihre Seelen sprichst.
 
33 
Ja so ein Herz, erhöht durch Geistesgaben
34 
Und ausgegossen in ein Lied,
35 
Lockt nach Jahrhunderten noch Dankeszähren
36 
In eines Frommen Aug.
 
37 
Dein Alxinger, o wie wird er vergessen
38 
Des Wonnetags, als er zuerst
39 
Dein holdes Antlitz sah, doch noch nicht wagte
40 
Zu weiden sich daran;
 
41 
Halbstammelnd, Haupt und Blick gesenkt zur Erde,
42 
Ein unbekannter Jüngling stand,
43 
Und du ihn Dichter grüßtest, ihm die Rechte
44 
Mt sanften Blicken bothst;
 
45 
Da kehrte feine Schüchternheit in Freude,
46 
Und sanft hub seine Seele sich.
47 
So wie, beglänzt von milder Abendsonne,
48 
Das Haupt ein Veilchen hebt.
 
49 
Freund, nimm dies Herz, von Laster unbeflecket,
50 
Für deine Huld ein kleiner Lohn!
51 
Nimm dieses Lied, zum Denkmal bey dem Enkel,
52 
Daß ich dich ganz gekannt.
 
53 
Doch würden ja (zwo heisse Thränen fallen
54 
Bey dem Gedanken auf mein Spiel)
55 
Und würden alle Töne dieses Spieles
56 
Vom Sturm der Zeit verweht,
 
57 
So sey mein Trost, daß unter deinen Freunden
58 
Auch ich genennet, daß mein Grab,
59 
Obgleich schon längst mit ernstem Moss bewachsen,
60 
Nicht ganz vergessen sey,
 
61 
Und einst darauf der fromme Pilger rastend
62 
Mir flüstre seinen Wunsch hinab:
63 
„O ruhe sanft, du warst der Bessern Einer,
64 
„Denn Denis liebte dich.“
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (29.6 KB)

Details zum Gedicht „An Denis“

Anzahl Strophen
16
Anzahl Verse
64
Anzahl Wörter
379
Entstehungsjahr
1780
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „An Denis“ ist Johann Baptist Alxinger. Alxinger wurde im Jahr 1755 in Wien geboren. Im Jahr 1780 ist das Gedicht entstanden. Halle ist der Erscheinungsort des Textes. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit oder Sturm & Drang zuordnen. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das 379 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 64 Versen mit insgesamt 16 Strophen. Der Dichter Johann Baptist Alxinger ist auch der Autor für Gedichte wie „An Herrn Hofrath von Greiner“, „Haschka an mich“ und „Meine Prüfung, an Haschka“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „An Denis“ weitere 23 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Johann Baptist Alxinger (Infos zum Autor)

Zum Autor Johann Baptist Alxinger sind auf abi-pur.de 23 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.