Wolken von Georg Heym

Der Toten Geister seid ihr, die zum Flusse,
Zum überladnen Kahn der Wesenlosen
Der Bote führt. Euer Rufen hallt im Tosen
Des Sturms und in des Regens wildem Gusse.
 
Des Todes Banner wird im Zug getragen.
Des Heers carroccio führt die Wappentiere.
Und graunhaft weiß erglänzen die Paniere,
Die mit dem Saum die Horizonte schlagen.
 
Es nahen Mönche, die in Händen bergen
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Die Totenlichter in den Prozessionen.
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Auf Toter Schultern morsche Särge thronen.
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Und Tote sitzen aufrecht in den Särgen.
 
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Ertrunkene kommen. Ungeborner Leichen.
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Gehenkte blaugeschnürt. Die Hungers starben
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Auf Meeres fernen Inseln. Denen Narben
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Des schwarzen Todes umkränzen rings die Weichen.
 
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Es kommen Kinder in dem Zug der Toten,
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Die eilend fliehn. Gelähmte vorwärts hasten.
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Der Blinden Stäbe nach dem Pfade tasten.
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Die Schatten folgen schreiend dem stummen Boten.
 
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Wie sich in Windes Maul des Laubes Tanz
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Hindreht, wie Eulen auf dem schwarzen Flug,
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So wälzt sich schnell der ungeheure Zug,
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Rot überstrahlt von großer Fackeln Glanz.
 
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Auf Schädeln trommeln laut die Musikanten,
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Und wie die weißen Segeln blähn und knattern,
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So blähn der Spieler Hemden sich und flattern.
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Es fallen ein im Chore die Verbannten.
 
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Das Lied braust machtvoll hin in seiner Qual,
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Vor der die Herzen durch die Rippen glimmen.
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Da kommt ein Haufe mit verwesten Stimmen,
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Draus ragt ein hohes Kreuz zum Himmel fahl.
 
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Der Kruzifixus ward einhergetragen.
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Da hob der Sturm sich in der Toten Volke.
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Vom Meere scholl und aus dem Schoß der Wolke
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Ein nimmer endend grauenvolles Klagen.
 
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Es wurde dunkel in den grauen Lüften.
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Es kam der Tod mit ungeheuren Schwingen.
39 
Es wurde Nacht, da noch die Wolken gingen
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Dem Orkus zu, den ungeheuren Grüften.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „Wolken“

Autor
Georg Heym
Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
273
Entstehungsjahr
1911
Epoche
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Wolken“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Georg Heym. Im Jahr 1887 wurde Heym in Hirschberg geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1911 entstanden. Leipzig ist der Erscheinungsort des Textes. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Expressionismus zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Heym handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 273 Wörter. Es baut sich aus 10 Strophen auf und besteht aus 40 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Georg Heym sind „Berlin II“, „Berlin III“ und „Bist Du nun tot?“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Wolken“ weitere 75 Gedichte vor.

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