Winterlied von Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille:
Hell wie Krystall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.
 
Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und roth und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
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Aus Schnee heraus
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Ragt, nackt und kraus,
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Des Dorngebüsches Garbe.
 
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Von Reifenduft befiedert sind
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Die Zweige rings, die sanfte Wind’
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Im Sonnenstrahl bewegen.
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Dort stäubt vom Baum
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Der Flocken Flaum
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Wie leichter Blüthenregen.
 
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Tief sinkt der braune Tannenast
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Und drohet mit des Schnees Last
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Den Wandrer zu beschütten;
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Vom Frost der Nacht
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Gehärtet. kracht
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Der Weg von seinen Tritten.
 
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Das Bächlein schleicht, von Eis geengt:
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Voll lauter blauer Zacken hängt
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Das Dach; es stockt die Quelle;
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Im Sturze harrt,
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Zu Glas erstarrt,
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Des Wasserfalles Welle.
 
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Die blaue Meise piepet laut;
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Der muntre Sperling pickt vertraut
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Die Körner vor der Scheune.
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Der Zeisig hüpft
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Vergnügt und schlüpft
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Durch blätterlose Haine.
 
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Wohlan! auf festgediegner Bahn
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Klimm ich den Hügel schnell hinan,
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Und blicke froh ins Weite,
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Und preise den,
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Der rings so schön
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Die Silberflocken streute.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Winterlied“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
177
Entstehungsjahr
1785
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Winterlied“ des Autors Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Im Jahr 1762 wurde Salis-Seewis in Malans (Kanton Graubünden) geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1785. Erschienen ist der Text in Zürich. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit oder Sturm & Drang zuordnen. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das Gedicht besteht aus 42 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 177 Worte. Der Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis ist auch der Autor für Gedichte wie „Vernunft und Glaube“, „Herbstlied“ und „Das Grab ist tief und stille“. Zum Autor des Gedichtes „Winterlied“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de keine weiteren Gedichte vor.

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