Winterlied von Johann Karl Wilhelm Geisheim

Mit kalter Kost von Schnee und Frost
Fand sich der Winter ein;
Wir nehmen an des Ofens Ost
Nun Platz beim Kerzenschein.
Jetzt ist der Himmel selten blau,
Sturm weht vom Sternenplan:
Drum bau’n den Himmel wir uns schlau
In unserm Stübchen an.
 
Uns stellt sein heitres, blaues Bild
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Im engsten Raum’ sich dar,
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Und eine Sonne, warm und mild,
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Belebt den Hausaltar.
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Prunkt auch ihr Schein mit Strahlen nicht,
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Glanz thut uns gar nicht Noth:
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Fühlt nur an’s Herz, dort wärmt ihr Licht,
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Dort glüht ihr Abendroth.
 
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O haltet diese Sonne warm,
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Laßt leuchten uns ihr Licht;
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Dann ist der Winter gar nicht arm,
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Wenn’s ihm auch sonst gebricht.
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Dann wird mit voller, reicher Hand
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Er seine Gaben streun;
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Denn was sonst auf den Feldern stand,
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Das ist ja Alles sein.
 
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Der Frühling und der Sommer sind
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Nur seinem Dienst’ geweiht;
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Für Alles, was der Herbst gewinnt,
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Hielt er den Sack bereit.
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Ja ja, fürwahr! der Winter ist
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Der allerreichste Mann,
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Deshalb er auch zum heil’gen Christ
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Recht viel bescheren kann.
 
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Drum ist’s, als wenn es Sommer wär’,
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Wenn er sein Tischchen deckt;
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Wen kümmert’s, ob die Felder leer,
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Wenn, was drauf stand, ihm schmeckt.
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Schön zwar ist Blum’ und grüne Saat,
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Und Schäfchen drauf herum;
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Er wandelte es in Sallat
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Und guten Braten um.
 
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Die Sänger zwar im Rosenhain,
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Der Fink, die Nachtigall,
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Die sollen fortgezogen sein
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Mit ihrer Lieder Schall.
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Doch glaubt es nicht, der Schall ist da,
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Der Winter liebt Gesang;
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Auch lose Finken sind ihm nah,
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Und fremd in ihm kein Klang,
 
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So soll er uns denn klangreich sein
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Beim Mahl’, das er beschert.
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Er hat ja Liebe, Sang und Wein,
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Und was ihr sonst begehrt.
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So geb’ er, was er geben kann,
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Wir danken’s ihm auch schön;
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Von vorne nur fang’ oft er an,
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Und lass’ sich wieder sehn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.6 KB)

Details zum Gedicht „Winterlied“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
56
Anzahl Wörter
312
Entstehungsjahr
1839
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Winterlied“ von Johann Karl Wilhelm Geisheim. Geboren wurde Geisheim im Jahr 1784 in Breslau. Das Gedicht ist im Jahr 1839 entstanden. Der Erscheinungsort ist Breslau. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das 312 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 56 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Johann Karl Wilhelm Geisheim sind „Der letzte Tag im Jahre“, „Die Geisterstunde“ und „Die Krähen“. Zum Autor des Gedichtes „Winterlied“ haben wir auf abi-pur.de weitere 29 Gedichte veröffentlicht.

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