Auf dem Baaker Berge von Heinrich Kämpchen

Mir ist als hört’ ich längst verscholl’nen Gruß,
Als wollt’ es sich mit Raunen an mich schmiegen –
Hier, wo ich steh’, stand einst des Römers Fuß,
Hier ließ er seine Adler fliegen. –
Von dieser Höh’ hat er hinabgespäh’t
Zur Ruhr und in die Brukt’rer Gaue –
Noch hat die Zeit die Spuren nicht verweht
Auf diesem Berg von seinem Baue. –
 
Noch seh’ ich dort den aufgeworf’nen Wall,
10 
Längst ist die Pflugschar drüber hingegangen
11 
Und aufgewühlt hat sie von Fall zu Fall
12 
Das Kurzschwert, das die Römer schwangen. –
13 
Dazu den breiten, rostzerfress’nen Schild
14 
Mit tiefen, wuchtig eingehau’nen Kerben –
15 
Die deutsche Streitaxt traf ihn hart und wild
16 
Und schlug das Römerglück in Scherben. –
 
17 
Hart war der Kampf – die Wallburg fest gefügt –
18 
Und hinter ihr nur schlachtgewohnte Streiter –
19 
Kein Schwerthieb fehlet und kein Speerwurf trügt,
20 
Mann gegen Mann – so rang es weiter. –
21 
Die Wallburg fiel, wie stark sie auch getürmt,
22 
Das Pfahlwerk sank, bedeckt von Römerleichen –
23 
Als Brukt’rer und Sigamberer gestürmt,
24 
Da mußten die Kohorten weichen. –
 
25 
Da scholl vom Schlachtgesange Odins Hain,
26 
Da sauste Donars wucht’ger Hammer nieder,
27 
Der Schrecken fuhr den Römern in’s Gebein,
28 
Nur wen’ge sah’n die Heimat wieder. –
29 
Und Freudenfeuer sagten Nord und Süd:
30 
Vernichtet sind die räuberischen Horden! –
31 
Und Opferbrände haben hier gesprüht
32 
Und Menschen sind geopfert worden. –
 
33 
Ja, heilig, heilig ist ringsum der Grund,
34 
Doch blutgedünget auch die braune Erde –
35 
Hier, wo die alte Römerburg einst stund,
36 
Die trutzige dem deutschen Herde. –
37 
Noch zeigt der Berg bis jetzt den kahlen Schopf,
38 
Der unten tief im Eichwald sich verlieret –
39 
Wie gut, daß noch kein überwitz’ger Kopf
40 
Mit einem Denkmal ihn gezieret. –
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27 KB)

Details zum Gedicht „Auf dem Baaker Berge“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
273
Entstehungsjahr
1909
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Auf dem Baaker Berge“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Heinrich Kämpchen. Kämpchen wurde im Jahr 1847 in Altendorf an der Ruhr geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1909. Der Erscheinungsort ist Bochum. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Moderne zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das Gedicht besteht aus 40 Versen mit insgesamt 5 Strophen und umfasst dabei 273 Worte. Die Gedichte „Am Grabe der Mutter“, „Am Kochbrunnen in Wiesbaden“ und „Am Marienbrönnlein“ sind weitere Werke des Autors Heinrich Kämpchen. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Auf dem Baaker Berge“ weitere 165 Gedichte vor.

Daten werden aufbereitet

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Weitere Gedichte des Autors Heinrich Kämpchen (Infos zum Autor)

Zum Autor Heinrich Kämpchen sind auf abi-pur.de 165 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.