Weihnachtsfreude von Johann Karl Wilhelm Geisheim

Seht und hört den tollen Knaben
Auf dem Christmarkt, wie er schreit,
Alles, Alles will er haben,
Weil ihn Alles hoch erfreut.
 
Hier behelmte, blanke Ritter,
Dort das Lämmchen schmuck und kraus,
Hier des Säbels Flamm’ und Flitter,
Dort der Garten und das Haus.
 
Kaufen soll der Liebe Vater
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Bald die Peitsche, bald das Pferd,
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Bald die Kirche, das Theater,
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Bald die Windmühl’ er begehrt.
 
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Pfefferkuchen, Trommel, Wagen,
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Nüsseknacker wunderlich,
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Licht und Leuchter ihm behagen,
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Alles wählt und wünscht er sich.
 
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Hansemann und Türk’ und Affen,
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Blech und Wachsstock, Zuckerwerk
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Kann nicht satt er sich begaffen
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Als des Wunsches Augenmerk.
 
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Elephant, Trompeter, Tiger,
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Hirt und Heerde, Schäferei’n,
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Und von Blei die Schaar der Krieger,
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Alle, wünscht er, wären sein.
 
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Doch dem Vater ist’s ein Leiden,
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Denn er ist ein armer Mann;
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’s will ihm fast das Herz abschneiden,
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Daß er nichts ihm kaufen kann.
 
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Und er eilt mit seinem Knaben
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Heim, nicht länger anzusehn,
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Wie mit Bürden, voll von Gaben,
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Reiche Leute heimwärts gehn.
 
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Traurig sieht mit seinem Weibe
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Er den armen Jungen an;
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Aber der zum Zeitvertreibe
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Bald ein Spielwerk sich ersann.
 
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Eine Düt’ aus einem Winkel
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Holet er statt Helmes her,
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Setzt sie auf mit keckem Dünkel,
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Als ob er ein Ritter wär’;
 
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Und zum Schwerdte wird die Elle
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Seiner Mutter, und ein Pferd
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Hat er aus der Ofenhölle
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Schnell sich selber einbeschert.
 
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So, bald Held und bald Trompeter,
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Tambour, Offizier, Soldat,
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Geht er, oder Schildwach steht er,
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Und sein lust’ges Spiel er hat.
 
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Bald als Müller trägt statt Säcke
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Polster er zur Mühle schwer,
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Bald als Hirte treibt er Böcke,
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Küh’ und Kälber vor sich her.
 
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Oder gar wohl, gleich den Thieren,
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Die er auf dem Markte fand,
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Nennet er auf allen Vieren
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Selbst sich Bär und Elephant.
 
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Und es sehen’s Mutter, Vater,
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Freudig horchend, schauend an,
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Was kein irdisches Theater
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Ihnen schöner geben kann.
 
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Also lebt in frohen Herzen,
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Lebt in Kindern eine Welt,
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Die euch über alle Schmerzen
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Unerfüllter Wünsche stellt.
 
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Also schaffet sich Weihnachten
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Selbst ein kindliches Gemüth;
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Gaben den nicht glücklich machten,
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Dem kein Glück im Herzen glüht’.
 
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Darum an dem Weihnachtskinde
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Kräftigt euren Muth und Sinn;
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Denn es wird, so heißt’s, dem Kinde
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Nur der Himmel zum Gewinn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (29.7 KB)

Details zum Gedicht „Weihnachtsfreude“

Anzahl Strophen
18
Anzahl Verse
72
Anzahl Wörter
371
Entstehungsjahr
1839
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Weihnachtsfreude“ stammt aus der Feder von Johann Karl Wilhelm Geisheim. Im Jahr 1784 wurde Geisheim in Breslau geboren. Im Jahr 1839 ist das Gedicht entstanden. In Breslau ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das vorliegende Gedicht umfasst 371 Wörter. Es baut sich aus 18 Strophen auf und besteht aus 72 Versen. Die Gedichte „Der letzte Tag im Jahre“, „Die Geisterstunde“ und „Die Krähen“ sind weitere Werke des Autors Johann Karl Wilhelm Geisheim. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Weihnachtsfreude“ weitere 29 Gedichte vor.

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