Weihe an Hellas von Amalie von Helvig

Die Du an der Kindheit Gränzen
Standest mit den tausend Kränzen –
Vor dem kaum erwachten Geist;
Mit dem Ernste der Geschichte,
In dem Zauber der Gedichte
Lehrend, was man würdig preist.
 
Hellas! – Beistand brauchst Du heute,
Blutend, wie des Tigers Beute,
Rufst umsonst nach Hülfe Du! –
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Ach! und Alles scheu verdrossen,
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Matt gerührt und halb entschlossen,
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Sieht dem Todeskampfe zu! –
 
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Wer von Jenen, hochgeehret
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Lebet, den Du nicht belehret,
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Nicht erzogen seiner Zeit? –
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Den mit Tugend Du verbündet,
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Früh zu Thaten nicht entzündet,
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Würdig der Unsterblichkeit? –
 
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Heil’ge Namen! – die uns allen
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Aus des Nachruhms Götterhallen
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Ahnungsvoll ins Herz getönt;
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Sollt ihr nicht zum Dank uns mahnen,
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Seit den Zorn erhabner Ahnen
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Schön der Enkel Muth versöhnt?
 
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Wär’ ich Herrscher – Heere zögen,
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Flotten, kriegsgerüstet flögen
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Der Bedrängten Schutz herbei.
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Hätt’ ich Schätze, Wehr und Waffen,
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Wollt’ ich Hellas Kämpfern schaffen,
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Ihre Kinder kauft’ ich frei.
 
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Was ich immer wär’, ich weihte
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Jede Kraft dem heil’gen Streite
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Dort in rühmlicher Gefahr;
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Arzt – Verwundete zu heilen,
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Krieger – kühn voran zu eilen,
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Führer der erlesnen Schaar.
 
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Doch von allen seinen Spenden
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Fiel mir aus des Glückes Händen
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Nur des Weibes enges Loos,
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Und, dem Kummer früh Vertraute,
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Legt’ ein güt’ger Gott die Laute
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Mild der Weinenden im Schooss. –
 
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Da von Glanz umhangner Blösse
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Unterscheidend wahre Grösse
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Lernt ich ihr Gepräg’ verstehn:
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Nicht vom Beifall angezogen,
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Vom Gelingen nicht betrogen,
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Auf den Thaten Urquell seh’n.
 
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Und so reich’ ich euch die Rechte,
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Griechen, die ihr nicht als Knechte
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Fürder leben wollt in Schmach.
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Folge, wie ihr neu belebet
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Tief vom Staub euch kühn erhebet,
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Mit Gebet und Wünschen nach.
 
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Wie an seinem Hirtenstabe
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Einst vor Goliath der Knabe,
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Steht der Riesen Macht ihr blos.
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Er, dess Hand die Schleuder lenkte
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Und des Trotz’gen Stirne senkte,
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Hält auch jetz des Todes Loos.
 
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Wie es falle, wie es liege,
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Ob dort Christ, ob Heide siege,
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Gottes Wille wird geschehn. –
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Doch mir werden sonder Wanken
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Alle Sinnen und Gedanken
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Stets dahin gerichtet stehn.
 
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Tönt indess ihr goldnen Saiten! –
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Kann ich Hülfe nicht bereiten
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Geb ich, was die Muse gab. –
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Und wenn alle kalt frohlocken,
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Halle leis, wie Trauer-Glocken,
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Du, mein Lied, an Hellas Grab.

Details zum Gedicht „Weihe an Hellas“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
72
Anzahl Wörter
361
Entstehungsjahr
1826
Epoche
Klassik,
Romantik,
Biedermeier

Gedicht-Analyse

Amalie von Helvig ist die Autorin des Gedichtes „Weihe an Hellas“. Im Jahr 1776 wurde Helvig in Weimar geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1826 zurück. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her kann der Text den Epochen Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zugeordnet werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das vorliegende Gedicht umfasst 361 Wörter. Es baut sich aus 12 Strophen auf und besteht aus 72 Versen. Die Gedichte „An Deutschlands Frauen“, „Den Zaudernden“ und „Zuruf an Griechenland“ sind weitere Werke der Autorin Amalie von Helvig. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Weihe an Hellas“ keine weiteren Gedichte vor.

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