Wege von Joachim Ringelnatz

Der Schwindel barmte laut und bog
Sich tief, dann dicht, und log und log.
 
Ein Ehrlicher schlich hinterher
Und hielt sich still und tat sich schwer.
 
Der Schwindel klebte sich wie Leim,
Gab groß, nahm klein und sprach von „Heim“,
 
Erwarb sich Kenntnis und Vertraun
Und steckte sich dann hinter Fraun,
 
Ward unterstützt, ward fest und steif,
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Gab klein, nahm groß und fühlte „reif“.
 
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Der Schwindel trotzte unverblühmt.
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Er ward bekannt. Er ward berühmt.
 
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Er zog nach unten hin Vergleich.
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Er rückte ab. Er wurde reich.
 
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Der Schwindel fühlte sich und schoß.
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Wenn einer widersprach, dem goß
 
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Geblufft, bezahlt, Majorität
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Ins Auge Popularität.
 
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Der Schwindel war geschützt, gemacht,
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Nur ruhelos bei Tag und Nacht.
 
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Denn er gedachte ohne Ruh
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Des Ehrlichen; doch gab’s nicht zu,
 
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Vernahm und brachte dessen Schritt
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Mit Hohn, dann Wut in Mißkredit.
 
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Der Schwindel, längst gemacht, war satt,
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Stand überall in jedem Blatt.
 
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Der Ehrliche kam fromm und schwer,
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Ganz müde, spät, des Wegs daher,
 
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Ging still vorbei und fromm und schwer.
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Und er erreichte sehr viel mehr.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.1 KB)

Details zum Gedicht „Wege“

Anzahl Strophen
15
Anzahl Verse
30
Anzahl Wörter
173
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Wege“ ist Joachim Ringelnatz. Der Autor Joachim Ringelnatz wurde 1883 in Wurzen geboren. 1928 ist das Gedicht entstanden. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Moderne oder Expressionismus zu. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 173 Wörter. Es baut sich aus 15 Strophen auf und besteht aus 30 Versen. Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „...als eine Reihe von guten Tagen“, „7. August 1929“ und „Abendgebet einer erkälteten Negerin“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Wege“ weitere 560 Gedichte vor.

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