Was kosten die Soldaten? von Kurt Tucholsky

Wir haben Lungenkranke,
die brauchten Berg und Schnee;
sie heilen –? Kein Gedanke!
Wir brauchen die Armee.
Da kostet jeder Junge
mit Stiefel und Gewehr
pro Mann eine Lunge –!
Das ist unser Heer.
 
Von dem, was die verschwenden,
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von dem, was da veraast:
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könnten wir Gutes spenden,
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wo die Schwindsucht rast.
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Der Proletarierjunge
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krepiert so nebenher …
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Pro Mann eine Lunge –
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das ist unser Heer.
 
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Es fällt durch graue Scheiben
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ein trübes Tageslicht;
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die Kranken, die da bleiben,
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überleben den Sommer nicht.
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„Zeigen Sie mal die Zunge!
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Na ja – das wird nichts mehr!“
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Pro Mann eine Lunge –
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das ist unser Heer!
 
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Sie haben Feldgeschütze,
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Schiffskreuzer und Musik;
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in schwarz-rot-goldner Mütze
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bezahlts die Republik.
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Sie setzen an zum Sprunge.
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Sie sind das Militär.
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Sie stehlen uns Herz und Lunge.
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Wann – Junge! Junge! –
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wirfst du sie in hohem Schwunge
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ihrem Kaiser hinterher –?
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.1 KB)

Details zum Gedicht „Was kosten die Soldaten?“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
34
Anzahl Wörter
138
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit,
Exilliteratur

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Was kosten die Soldaten?“ ist Kurt Tucholsky. Der Autor Kurt Tucholsky wurde 1890 in Berlin geboren. 1929 ist das Gedicht entstanden. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit oder Exilliteratur zuordnen. Bei Tucholsky handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Der Erste Weltkrieg und die daraufhin folgende Entstehung und der Fall der Weimarer Republik hatten großen Einfluss auf die Literatur der Weimarer Republik. Die Neue Sachlichkeit in der Literatur der Weimarer Republik ist von distanzierter Betrachtung der Welt und Nüchternheit gekennzeichnet und politisch geprägt. Es wurde eine Alltagssprache verwendet um mit den Texten so viele Menschen wie möglich anzusprechen. Die Freiheit von Wort und Schrift war zwar verfassungsmäßig garantiert, doch bereits 1922 wurde nach der Ermordung von Walter Rathenau das Republikschutzgesetz erlassen, das diese Freiheit wieder einschränkte. Viele Schriftsteller litten unter dieser Zensur. Dieses Gesetz wurde in der Praxis nur gegen linke Autoren angewandt, nicht aber gegen rechte, die zum Beispiel in ihren Werken offen Gewalt verherrlichten. Das 1926 erlassene Schund- und Schmutzgesetz setze den Schriftstellern dieser Zeit noch mal verstärkt Grenzen. 1931 trat die Pressenotverordnung in Kraft, dadurch waren die Beschlagnahmung von Schriften und das Verbot von Zeitungen über mehrere Monate hinweg möglich geworden.

Als Exilliteratur wird die Literatur von Schriftstellern bezeichnet, die unfreiwillig Zuflucht in der Fremde suchen müssen, weil ihre Person oder ihr Werk in ihrer Heimat bedroht sind. Für die Flucht ins Exil geben meist religiöse oder politische Gründe den Ausschlag. Die Exilliteratur in Deutschland entstand in den Jahren von 1933 bis 1945 als Literatur der Gegner des Nationalsozialismus. Dabei spielten insbesondere die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 und der deutsche Überfall auf die Nachbarstaaten in den Jahren 1938/39 eine ausschlaggebende Rolle. Die Exilliteratur bildet eine eigene Epoche in der deutschen Literaturgeschichte. Sie schließt an die Neue Sachlichkeit der Weimarer Republik an. Themen wie Verlust der eigenen Kultur, existenzielle Probleme, Sehnsucht nach der Heimat oder Widerstand gegen den Nationalsozialismus sind typisch für diese Epoche der Literatur. Bestimmte formale Gestaltungsmittel wie zum Beispiel Metrum, Reimschema oder der Gebrauch bestimmter rhetorischer Mittel lassen sich in der Exilliteratur nicht finden. Die Exilliteratur weist häufig einen Pluralismus der Stile (Expressionismus, Realismus), eine kritische Betrachtung der Wirklichkeit und eine Distanz zwischen Werk und Leser oder Publikum auf. Sie hat häufig die Absicht zur Aufklärung und möchte Gesellschaftsentwicklungen aufzeigen (wandelnder Mensch, Abhängigkeit von der Gesellschaft).

Das Gedicht besteht aus 34 Versen mit insgesamt 4 Strophen und umfasst dabei 138 Worte. Die Gedichte „An die Meinige“, „An einen garnisondienstfähigen Dichter“ und „An ihren Papa“ sind weitere Werke des Autors Kurt Tucholsky. Zum Autor des Gedichtes „Was kosten die Soldaten?“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 136 Gedichte vor.

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