Was die Irre sprach von Joachim Ringelnatz

Wir armen Schizophrenen!
Wir sind nur ein Begriff.
Wir lassen uns endlos dehnen.
Aber es war ein englisches Schiff.
 
Ich weiß, Sie möchten was fragen;
Seien Sie ruhig ganz streng zu mir.
Sie sind nur glücklich, und ein Tier –
Muß man treten und schlagen.
 
Die Blicke sind selbstverständlich
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Bei Kapitänen Befehle.
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Ich habe auch Eure Seele,
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Aber – die Schwester lügt. Sie lügt schändlich.
 
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Vielleicht ist Hingeben Schande.
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Kein Tier weiß, was es redlich tut.
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So wahr er tausend Meter vom Lande –
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Amen – im Wasser ruht.
 
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Nein danke! Ich bin nicht müde.
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Oder spreche ich Ihnen zu viel? –
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Die Quintessenz der Güte
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Liegt schließlich nicht im Peitschenstiel.
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Er hebt oder senkt die Blüte. –
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Nun aber genug im grausamen Spiel.
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Sie haben doch recht! Ich bin müde.
 
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Living or dead – Mir riecht sich das gleich.
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Aber wären sie englisch ersoffen,
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Sie kämen vielleicht auch ins Himmelreich. –
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Amen. – Wir wollen es hoffen. –
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Jetzt ist er zum ersten Male weich.
 
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Sehen Sie nur: Wie der Oberarzt schaut!
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Er soll viel strenger zu mir sein.
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Ich bin doch allein. Weil ich ein Schwein
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Bin. Ich bin eine Seemannsbraut
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Tausend Meter vom Lande. –
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Die Schwester hält das für Schande.
 
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Ihr schmutziges Volk! Euer Captain ist fort. –
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Nie wieder die Stiefel lecken muß.
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Ja, führt mich hinaus! Wir treffen uns dort. –
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Wo Anfang ist, da ist auch ein Schluß.
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Weil Ihr uns um unser freieres Sehnen
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Beneidet. – Hier fragt sich: Wer führt das Wort?
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Ihr armen Schizophrenen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „Was die Irre sprach“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
41
Anzahl Wörter
240
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Joachim Ringelnatz ist der Autor des Gedichtes „Was die Irre sprach“. Im Jahr 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. Im Jahr 1928 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 240 Wörter. Es baut sich aus 8 Strophen auf und besteht aus 41 Versen. Die Gedichte „7. August 1929“, „Abendgebet einer erkälteten Negerin“ und „Abermals in Zwickau“ sind weitere Werke des Autors Joachim Ringelnatz. Zum Autor des Gedichtes „Was die Irre sprach“ haben wir auf abi-pur.de weitere 560 Gedichte veröffentlicht.

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