Vor dem Schlaf von Karl Kraus

1 
So spät ist es, so späte,
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was werden wird, ich weiß es nicht.
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Es dauert nicht mehr lange,
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mir wird so bange,
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und seh’ in der Tapete
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ein klagendes Gesicht.
 
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Allein bin ich, alleine,
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was außerhalb, ich weiß es nicht.
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Ach, daß mir’s noch gelänge,
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mir wird so enge,
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und seh’ in jedem Scheine
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ein fragendes Gesicht.
 
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Nun bin ich schon entrissen,
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was da und dann, ich weiß es nicht,
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ich kann sie nicht behalten
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die Wahngestalten
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und fühl’ in Finsternissen
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das sagende Gesicht.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.1 KB)

Details zum Gedicht „Vor dem Schlaf“

Autor
Karl Kraus
Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
18
Anzahl Wörter
85
Entstehungsjahr
1920
Epoche
Moderne,
Expressionismus,
Avantgarde / Dadaismus

Gedicht-Analyse

Der Autor dieses Gedichts ist Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller, der während des Fin de siècle, einer kulturellen Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, schrieb. Das Gedicht gehört zu den Werken der literarischen Moderne.

Auf den ersten Eindruck ist das Gedicht sehr düster und melancholisch, es vermittelt ein Gefühl von Einsamkeit und Unsicherheit.

Inhaltlich geht es in „Vor dem Schlaf“ um Gedanken und Unsicherheiten, die das lyrische Ich vor dem Einschlafen hegen. Es erwähnt, dass es nicht wisse, was die Zukunft bringen wird und dass ihm „bange“ ist. Es sieht klagende und fragende Gesichter in der Tapete und im Schein. Und schließlich ist das lyrische Ich „entrissen“ und wird von „Wahngestalten“ und einem „sagenden Gesicht“ in der Dunkelheit geplagt. Hierbei werden die Gedanken und Ängste des lyrischen Ichs patriarchiert.

Formal besteht das Gedicht aus drei Strophen mit je sechs Versen, welche jeweils zwei wiederholende Versenden am Strophenanfang („So spät ist es, so späte“, „Allein bin ich, alleine“, „Nun bin ich schon entrissen“) und am Strophenende („ein klagendes Gesicht.“, „ein fragendes Gesicht.“, „das sagende Gesicht.“) haben. Es verwendet Reime in einer ABABCC-Struktur. Die Sprache ist klar und einfach.

Zusammenfassend drückt das Gedicht die mitternächtlichen Ängste und Sorgen des lyrischen Ichs aus und schafft eine düstere, einsame Atmosphäre. Dies spiegelt möglicherweise Kraus' eigene Gedanken und Ängste wider, insbesondere in einer Epoche des gesellschaftlichen Umbruchs und der Unsicherheit.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „Vor dem Schlaf“ ist Karl Kraus. Kraus wurde im Jahr 1874 in Jičín (WP), Böhmen geboren. Im Jahr 1920 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist München. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Moderne, Expressionismus, Avantgarde / Dadaismus oder Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit zu. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das vorliegende Gedicht umfasst 85 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 18 Versen. Die Gedichte „Abenteuer der Arbeit“, „Absage“ und „Abschied und Wiederkehr“ sind weitere Werke des Autors Karl Kraus. Zum Autor des Gedichtes „Vor dem Schlaf“ haben wir auf abi-pur.de weitere 61 Gedichte veröffentlicht.

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