Verwandlung von Karl Kraus

1 
Stimme im Herbst, verzichtend über dem Grab
2 
auf deine Welt, du blasse Schwester des Monds,
3 
süße Verlobte des klagenden Windes,
4 
schwebend unter fliehenden Sternen —
 
5 
raffte der Ruf des Geists dich empor zu dir selbst?
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nahm ein Wüstensturm dich in dein Leben zurück?
7 
Siehe, so führt ein erstes Menschenpaar
8 
wieder ein Gott auf die heilige Insel!
 
9 
Heute ist Frühling. Zitternder Bote des Glücks,
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kam durch den Winter der Welt der goldene Falter.
11 
Oh knieet, segnet, hört, wie die Erde schweigt.
12 
Sie allein weiß um Opfer und Thräne.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (23.9 KB)

Details zum Gedicht „Verwandlung“

Autor
Karl Kraus
Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
86
Entstehungsjahr
1920
Epoche
Moderne,
Expressionismus,
Avantgarde / Dadaismus

Gedicht-Analyse

Das vorliegende Gedicht mit dem Titel „Verwandlung“ stammt von Karl Kraus, einem österreichischen Schriftsteller und Satiriker, der von 1874 bis 1936 lebte. Mit einer Zeit des Schaffens, die von der späten österreichisch-ungarischen Monarchie bis zur Zeit zwischen den Weltkriegen reichte, war Kraus eine bedeutende Literaturfigur der Wiener Moderne.

Auf den ersten Blick fällt die lyrische und bildreiche Sprache des Gedichts auf. Kraus verwendet Natur- und Wettermetaphern, um Emotionen und Ereignisse zu beschreiben. Der Schein von Melancholie und Hoffnung durchzieht das gesamte Gedicht.

Der grundlegende Inhalt des Gedichts lässt sich als ein Zyklus von Veränderung und Erneuerung interpretieren, in dem der Tod nicht das endgültige Ende, sondern ein Übergang zu einer neuen Phase des Lebens darstellt. Das lyrische Ich spricht eine „blass[e] Schwester des Monds“ an, die als Metapher für eine sterbende oder tote Person gesehen werden könnte. Diese Person wird jedoch durch den „Ruf des Geists“ und den „Wüstensturm“ wieder ins Leben zurückgeführt, symbolisiert durch das „erste Menschenpaar“ und die „heilige Insel“. Das Gedicht endet mit einer Darstellung des Frühlings, einer Jahreszeit der Erneuerung und des Wachstums, und einem Aufruf zum Gebet und zur Dankbarkeit für das Leben.

Kraus verwendet in seinem Gedicht eine strenge, doch einfache Form mit dreizeiligen Strophen, die zusammen einen gut strukturierten, gleichmäßigen Rhythmus erzeugen. Die Sprache ist poetisch und vielschichtig, voll von bildhaften Metaphern und symbolischen Anspielungen. Es scheint, dass Kraus durch diese Versform und seine detailreiche Sprache die Komplexität und Tiefe der Themen Leben, Tod und Wiedergeburt vermitteln möchte.

Zusammengefasst handelt es sich bei „Verwandlung“ von Karl Kraus um ein lyrisches Gedicht, das den Kreislauf des Lebens und der Erneuerung in poetischer und bildhafter Sprache darstellt. Es fordert zur Reflexion über grundlegende menschliche Erfahrungen und Emotionen auf, insbesondere im Hinblick auf Sterblichkeit und Wiedergeburt und die damit verbundenen Emotionen von Trauer und Hoffnung.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Verwandlung“ des Autors Karl Kraus. 1874 wurde Kraus in Jičín (WP), Böhmen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1920 zurück. Erschienen ist der Text in München. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Moderne, Expressionismus, Avantgarde / Dadaismus oder Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit zuordnen. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das vorliegende Gedicht umfasst 86 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Karl Kraus ist auch der Autor für Gedichte wie „Alle Vögel sind schon da“, „Als Bobby starb“ und „An den Schnittlauch“. Zum Autor des Gedichtes „Verwandlung“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 61 Gedichte vor.

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