Vermälte von Ada Christen
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O sieh’, wie von der Wahrheit Wort |
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Die kalten gift’gen Nebel schwanden, |
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Gesegnet sei der Tag hinfort, |
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An welchem wir uns wieder fanden. |
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Wie lange hielt uns Menschen Trug |
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Und stolzes Schweigen dumpf umfangen, |
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Wie hemmten wir der Seelen Flug, |
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Die zweifelnd in dem Dunkel rangen. |
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Und stehen wir uns weltenfern, |
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Ist auch vergeudet unser Leben, |
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Ich habe jedes Leid doch gern |
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Aus tiefstem Herzen Dir vergeben. |
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Es ist des Glückes letzte Huld, |
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Das wir uns heut’ die Hände reichen; |
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Wir büßen ja die alte Schuld, |
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Gekettet an lebend’ge Leichen. |
Details zum Gedicht „Vermälte“
Ada Christen
1
16
92
1870
Realismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht „Vermälte“ wurde von Ada Christen verfasst, welche von 1839 bis 1901 lebte. Dies platziert sie in die Epoche des Realismus, welche sich durch eine detailreiche und realistische Darstellung des Alltags auszeichnet. Auch das Feminismus ist in dieser Zeit präsent und findet sich in den Werken von Ada Christen oft wieder.
Auf den ersten Blick erscheint das Gedicht voller Gefühl und tiefgründiger Reflexion. In 16 Versen erzählt das lyrische Ich von einer intensiven emotionalen Verbindung mit einer anderen Person und der Wiedergeburt dieser Beziehung nach einer wohl dunklen Phase der Trennung oder des Missverständnisses.
Das lyrische Ich spricht von der Wahrheit, die die „kalten gift'gen Nebel“ vertreibt, was auf offenbar klärende und versöhnende Worte oder Erkenntnisse hinweist, die die Dunkelheit und Kälte einer schwierigen Zwischenphase durchdrungen haben. Es sind Worte der Sehnsucht, der Versöhnung und der Akzeptanz vergangener Fehler, die in diesem Gedicht ausgedrückt werden.
Sowohl Form als auch Sprache des Gedichts sind recht traditionell gehalten. Es folgt keiner spezifischen Reimform, doch die Verwendung von bildhafter Sprache und Metaphern ist ausgeprägt. Ada Christen verwendet eine tiefe und gefühlvolle Sprache. Sie schafft es, sowohl das Bedauern über die vergangenen Trugbilder als auch die Versöhnung und Wiederverbindung mit der geliebten Person deutlich zu machen. Hierbei verwendet sie im letzten Vers die starke Metapher „Gekettet an lebend’ge Leichen“, um die Vergangenheit als eine Art tote Last zu beschreiben, die sie aber bereit sind zu tragen, um ihre Beziehung wieder herzustellen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Ada Christens „Vermälte“ ein intensives Gedicht von Trennung und Wiedervereinigung, Schuld und Vergebung ist. Die starke emotionsgeladene Sprache und die tiefgründige Reflexion des lyrischen Ichs machen es zu einem ergreifenden Ausdruck der menschlichen Erfahrung mit tiefer Liebe und Verlust.
Weitere Informationen
Ada Christen ist die Autorin des Gedichtes „Vermälte“. Im Jahr 1839 wurde Christen in Wien geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1870 zurück. Der Erscheinungsort ist Hamburg. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her kann der Text der Epoche Realismus zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das 92 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit nur einer Strophe. Ada Christen ist auch die Autorin für das Gedicht „Auf den Bergen“, „Belle Helène!“ und „Biedere Hausfrauen“. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Vermälte“ weitere 81 Gedichte vor.
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