Verlust der Ähnlichkeit von Wilhelm Busch

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Man sagt, ein Schnäpschen, insofern
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Es kräftig ist, hat jeder gern.
 
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Ganz anders denkt das Volk der Bienen,
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Der Süffel ist verhaßt bei ihnen,
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Sein Wohlgeruch tut ihnen weh.
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Sie trinken nichts wie Blütentee,
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Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank,
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Gleich ziehen sie den Stachel blank.
 
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Letzthin hat einem Bienenstöckel
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Der brave alte Schneider Böckel,
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Der nicht mehr nüchtern in der Tat,
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Aus Neubegierde sich genaht.
 
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Sofort von einem regen Leben
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Sieht Meister Böckel sich umgeben.
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Es dringen giftgetränkte Pfeile
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In seine nackten Körperteile,
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Ja manche selbst durch die nur lose
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Und leichtgewirkte Sommerhose,
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Besonders, weil sie stramm gespannt.
 
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Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt.
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Er zieht sich kämpfend wie ein Held
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Zurück ins hohe Erbsenfeld.
 
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Hier hat er Zeit, an vielen Stellen
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Des Leibes merklich anzuschwellen,
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Und als er wiederum erscheint,
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Erkennt ihn kaum sein bester Freund.
 
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Natürlich, denn bei solchem Streit
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Verliert man seine Ähnlichkeit.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.1 KB)

Details zum Gedicht „Verlust der Ähnlichkeit“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
28
Anzahl Wörter
147
Entstehungsjahr
nach 1848
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz,
Realismus

Gedicht-Analyse

Dieses Gedicht stammt von Wilhelm Busch, einem deutschen Dichter und Zeichner, der besonders für seine humorvollen und satirischen Erzählungen und Zeichnungen im 19. Jahrhundert bekannt ist.

Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht humorvoll und spielerisch. Sein einfacher Sprachstil und die klaren Bilder, die er malt, ermöglichen es dem Leser, die Geschichte leicht zu verstehen.

Im „Verlust der Ähnlichkeit“ erzählt Busch eine Geschichte über Schneider Böckel, der, nachdem er getrunken hat, sich einem Bienenstock nähert und von den Bienen angegriffen wird. Der Angriff lässt Böckel so sehr anschwellen, dass sogar sein bester Freund ihn nicht mehr erkennt. Das Gedicht nimmt eine humorvolle Betrachtung der Gefahren des Alkohols auf und wie er uns verändern kann - in diesem Fall buchstäblich.

Das lyrische Ich in diesem Gedicht scheint die Leser auf eine humorvolle und ironische Weise davor zu warnen, wie Alkohol unser Verhalten und unsere Entscheidungen beeinflussen kann. So wie Böckel durch Alkohol dazu verleitet wurde, sich den Bienen zu nähern und dadurch Schaden nahm, so können auch wir durch Alkohol dazu verleitet werden, Dinge zu tun, die wir nüchtern nicht tun würden, und so möglicherweise Schaden nehmen.

In Bezug auf den sprachlichen Stil verwendet Busch einen klaren, direkten Ausdruck und malt lebendige Bilder mit seiner Wortwahl. Er verwendet sowohl humorvolle als auch metaphorische Sprache, um seine Botschaft zu vermitteln. So bezeichnet er die Bienen als „Volk“, was ihnen ein Gefühl des Gemeinschaftssinns und der Organisation verleiht, und Böckel als „braven alten Schneider“, was darauf hinweist, dass er ein sonst harmloser und respektierter Mensch ist.

In Bezug auf die Form besteht das Gedicht aus verschiedenen Strophen unterschiedlicher Länge. Busch scheint die Länge der Strophe entsprechend den Ereignissen in der Geschichte zu wählen. Die Strophe, in der Böckel den Angriff der Bienen erlebt, ist zum Beispiel die längste, während die Strophen, die den Anfang und das Ende der Geschichte darstellen, die kürzesten sind. Diese wechselnde Struktur verleiht dem Gedicht ein gewisses Maß an Dynamik und Bewegung.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Verlust der Ähnlichkeit“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Wilhelm Busch. Der Autor Wilhelm Busch wurde 1832 in Wiedensahl geboren. Im Zeitraum zwischen 1848 und 1908 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Wiesbaden u. Berlin. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Biedermeier, Junges Deutschland & Vormärz, Realismus, Naturalismus oder Moderne kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das vorliegende Gedicht umfasst 147 Wörter. Es baut sich aus 7 Strophen auf und besteht aus 28 Versen. Der Dichter Wilhelm Busch ist auch der Autor für Gedichte wie „Als er noch krause Locken trug“, „Also hat es dir gefallen“ und „Auf Wiedersehn“. Zum Autor des Gedichtes „Verlust der Ähnlichkeit“ haben wir auf abi-pur.de weitere 208 Gedichte veröffentlicht.

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