Verlorene Wünsche von Heinrich Heine

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Von der Gleichheit der Gemüthsart
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Wechselseitig angezogen
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Waren wir einander immer
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Mehr als uns bewußt gewogen.
 
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Beide ehrlich und bescheiden,
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Konnten wir uns leicht verstehen;
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Worte waren überflüssig,
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Brauchten uns nur anzusehen.
 
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O wie sehnlich wünscht’ ich immer,
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Daß ich bei dir bleiben könnte
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Als der tapfre Waffenbruder
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Eines dolce far niénte.
 
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Ja, mein liebster Wunsch war immer,
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Daß ich immer bei dir bliebe!
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Alles was dir wohlgefiele,
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Alles thät ich dir zu Liebe.
 
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Würde essen was dir schmeckte
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Und die Schüssel gleich entfernen,
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Die dir nicht behagt. Ich würde
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Auch Cigarren rauchen lernen.
 
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Manche polnische Geschichte,
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Die dein Lachen immer weckte,
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Wollt’ ich wieder dir erzählen
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In Judäas Dialecte.
 
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Ja, ich wollte zu dir kommen,
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Nicht mehr in der Fremde schwärmen –
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An dem Herde deines Glückes
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Wollt’ ich meine Kniee wärmen. – –
 
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Goldne Wünsche! Seifenblasen!
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Sie zerrinnen wie mein Leben –
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Ach, ich liege jetzt am Boden,
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Kann mich nimmermehr erheben.
 
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Und Ade! sie sind zerronnen,
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Goldne Wünsche, süßes Hoffen!
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Ach, zu tödtlich war der Faustschlag,
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Der mich just in’s Herz getroffen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.4 KB)

Details zum Gedicht „Verlorene Wünsche“

Anzahl Strophen
9
Anzahl Verse
36
Anzahl Wörter
172
Entstehungsjahr
1851
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichts „Verlorene Wünsche“ ist Heinrich Heine, ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker, der von 1797 bis 1856 lebte. Heine gehörte der Romantik an und gehört zu den bedeutendsten Lyrikern Deutschlands.

Auf den ersten Blick vermittelt das Gedicht ein Gefühl der Melancholie und Sehnsucht. Es ist stark geprägt von der emotionalen Belastung des lyrischen Ichs, das nach verlorenen Wünschen und unerfüllten Hoffnungen trauert. Die Strophen schildern eine tiefe Verbundenheit zwischen zwei Charakteren, deren Beziehung jedoch tragisch endet.

Inhaltlich wird zunächst eine tiefe Zuneigung und ein tiefgründiges Verständnis zwischen den Charakteren dargestellt, das durch gemeinsame Werte und eine entspannte Beziehung gekennzeichnet ist (Strophe 1+2). Es folgt die Sehnsucht des lyrichen Ichs, ständig in der Nähe des Anderen zu sein und alles zu tun, um ihm zu gefallen (Strophe 3-5). Diese Zuneigung wird durch nostalgische Gedanken an gemeinsam geteilte Momente und die Vorstellung, in der Nähe des geliebten Menschen zu sein, weiter verstärkt (Strophe 6+7). In dem letzten Abschnitt des Gedichts wird die tragische Wendung deutlich: Alle Hoffnungen und Wünsche werden als vergänglich und unerfüllt dargestellt (Strophe 8+9).

Die Form des Gedichts besteht aus neun vierzeiligen Strophen, wobei eine klare und ansonsten traditionelle Strukturierung vorliegt. Das Gedicht ist in einem eindringlichen, emotionalen Ton gehalten. Ironisch und sehnsüchtig, resigniert und doch humorvoll wählt Heine zum Ausdruck seiner unerfüllten Liebe eine Sprache, die den Schmerz des lyrischen Ichs unterstreicht und gleichzeitig eine Art Schönheit in der Traurigkeit aufzeigt.

Sprachlich fällt Heines Gebrauch von bildhafter Sprache auf. Beispielsweise symbolisieren die „goldnen Wünsche“, die gleich „Seifenblasen“ zerrinnen, die Vergänglichkeit der Träume und Hoffnungen. Durch den Vergleich der hoffnungsvollen Wünsche mit Seifenblasen, die unvermeidlich platzen, wird das zentrale Thema des Gedichts, die Vergänglichkeit von Wünschen und Hoffnungen, stark betont. Der sehr persönliche und emotionale Stil von Heine trägt zur tiefgehenden Wirkung des Gedichts bei.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Verlorene Wünsche“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Heinrich Heine. Geboren wurde Heine im Jahr 1797 in Düsseldorf. 1851 ist das Gedicht entstanden. In Hamburg ist der Text erschienen. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Junges Deutschland & Vormärz zugeordnet werden. Der Schriftsteller Heine ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 172 Wörter. Es baut sich aus 9 Strophen auf und besteht aus 36 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Heinrich Heine sind „Alte Rose“, „Altes Lied“ und „Am Golfe von Biskaya“. Zum Autor des Gedichtes „Verlorene Wünsche“ haben wir auf abi-pur.de weitere 535 Gedichte veröffentlicht.

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