Vergebliche Sehnsucht von Carl Streckfuß
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Wenn ihr einst den Jüngling wieder sehet, |
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Oede Fluren, den mein Herz erkor, |
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O dann tritt der holde Lenz hervor, |
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Blumen sprießen, wo sein Odem wehet. |
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Rings umher |
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Suchet ihn mein Blick – |
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Ach, und er |
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Der Geliebte kehret nicht zurück. |
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Süßer tönen, Vögel, eure Lieder, |
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Wenn euch zärtlich des Geliebten Ton |
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Seine Liebe singt, und ihren Lohn; |
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Er belebt erst eure Töne wieder. |
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Rings umher |
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Lauscht nach ihm mein Ohr – |
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Ach, und er |
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Singt mir nicht mehr seine Liebe vor. |
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Echo, ach du hörtest meine Klagen, |
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Fragend oft vertraut’ ich dir mein Leid. |
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Kommt er nicht zurück, voll Zärtlichkeit |
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Nach dem Mädchen, das ihn liebt, zu fragen? |
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Rings umher |
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Lauscht mein Ohr, mein Blick – |
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Ach, und er |
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Ruft mir nicht, und kehret nie zurück. |
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Und mir flüstern schaurig süße Stimmen |
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Aus des Stromes Silberspiegel zu: |
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Komm zu mir, ins stille Land der Ruh |
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Sollst du sanft auf meinen Wogen schwimmen. |
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Ach! hinab |
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Zieht mich wilder Schmerz. |
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Tief im Grab |
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Ruht der Freund, da ruh‘, o müdes Herz. |
Details zum Gedicht „Vergebliche Sehnsucht“
Carl Streckfuß
2
32
167
1804
Klassik,
Romantik
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Vergebliche Sehnsucht“ stammt von Carl Streckfuß, einem deutschen Dichter des frühen 19. Jahrhunderts, also der Zeit der Spätromantik. Erstaunlicherweise zeichnet das Gedicht ein sehr gedämpftes, melancholisches Bild und nicht das übliche Ideal einer romantischen Liebe, was beim ersten Lesen auffällt.
Das lyrische Ich im Gedicht sehnt sich nach einem Geliebten, der offenbar verschwunden oder verstorben ist. Es beschreibt eine idyllische Landschaft, die durch die Anwesenheit des Geliebten erst Lebensfreude und Schönheit erhält. Anhand der Formulierungen lässt sich erkennen, dass das lyrische Ich völlig von der Abwesenheit des Geliebten absorbiert ist und von einer quälenden Sehnsucht geplagt wird, die bis zum Wunsch nach dem Tod führt. Besonders auffällig ist dabei die Lautmalerei, die das lyrische Ich verwendet: Die Wiederholung von „Rings umher“, „Ach, und er“ und der Einsatz von Onomatopoesie erzeugen eine musikalische Qualität, die die Sehnsucht und das Leid des lyrischen Ichs intensiviert.
Im Gegensatz zur romantischen Vorstellung einer erfüllenden, glücklichen Liebe ist hier die Dominanz des Todes ein zentrales Element. Die letzte Strophe handelt vom Tod und der Möglichkeit einer endlichen Ruhestätte für das „müde Herz“, was darauf hindeutet, dass das lyrische Ich keinen anderen Ausweg sieht. Der „stille Land der Ruh“ wird zur letzten Zuflucht des leidenden lyrischen Ichs, was die Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit dieser unerfüllten Liebe noch verstärkt.
Die Sprache des Gedichts ist dabei ziemlich klar und einfach, wobei die Verwendung von Metaphern das Gefühl von Sehnsucht und Traurigkeit vermittelt. Insgesamt strahlt das Gedicht eine tiefe Melancholie aus, während es die vergebliche Suche nach Liebe und Wiederbelebung durch die Anwesenheit des Geliebten thematisiert. Es zeichnet ein düsteres Bild von der Liebe und dem Leiden, das durch sie entstanden ist, und weicht damit von den traditionellen romantischen Vorstellungen ab.
Weitere Informationen
Carl Streckfuß ist der Autor des Gedichtes „Vergebliche Sehnsucht“. Streckfuß wurde im Jahr 1778 in Gera geboren. Im Jahr 1804 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Wien. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Klassik oder Romantik kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das 167 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 32 Versen mit insgesamt 2 Strophen. Carl Streckfuß ist auch der Autor für Gedichte wie „Das Geständniß“, „Das Leben, ein Räthsel“ und „Das Riesenkind“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Vergebliche Sehnsucht“ weitere 50 Gedichte vor.
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Zum Autor Carl Streckfuß sind auf abi-pur.de 50 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
