Venus Madonna von Richard Dehmel
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Aus Mannesadel wächst des Weibes Tugend; |
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er träumt ein Ziel, sie soll es ihm gebären. |
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Des Griechen Schönheitsinbrunst sah die Sphären |
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beherrscht von Aphroditens Reiz und Jugend; |
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dem Christen aber ward die Reinheit Wesen, |
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selbst noch die Mutter will er sich verklären |
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und beugt sich vor Marias Hochaltären, |
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die keusch des Sohns, des keuscheren, genesen. |
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Wann kommt die Zeit, daß Männer freier denken |
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und ihre eigne Welt von Gottessöhnen |
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hell mit dem Huldbild ihrer Freiheit krönen, |
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bis Alle Allen die Erlösung schenken, |
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die Wir uns schenkten, meine Magd und Sonne, |
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Du keusche Venus, reizende Madonne! |
Details zum Gedicht „Venus Madonna“
Richard Dehmel
4
14
95
1893
Moderne
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Venus Madonna“ wurde von Richard Dehmel verfasst, einem deutschen Dichter, der von 1863 bis 1920 gelebt hat. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des literarischen Naturalismus und Symbolismus. Aufgrund seines Todesjahres ist das Gedicht zeitlich der Epoche des beginnenden 20. Jahrhunderts zuzuordnen.
Beim ersten Eindruck wirkt das Gedicht komplex. Es scheint einen Konflikt zwischen traditionellen Rollenbildern und einer neuen, aufkommenden Vorstellung von Frauen- und Männerbildern aufzuzeigen.
Inhaltlich sieht das lyrische Ich des Gedichts zunächst traditionelle Geschlechterrollen: Die Tugend der Frau wächst aus dem Adel des Mannes, sie gebiert das Ziel, das er träumt. Diese Vorstellung wird mit zwei verschiedenen Kulturen verknüpft: dem antiken Griechenland, repräsentiert durch Aphrodite, die Göttin der Schönheit und Jugend, und dem Christentum, repräsentiert durch Maria, die reine Mutter Jesu.
Das lyrische Ich stellt jedoch die Frage, wann die Zeit kommt, in der Männer freier denken. Es träumt von einer Welt, in der Menschen ihre eigenen Göttersöhne entwerfen und mit dem Bild ihrer Freiheit krönen. Am Ende wünscht es sich, dass alle Menschen sich gegenseitig Erlösung schenken, so wie es die „keusche Venus, reizende Madonne“ getan hat - eine Verschmelzung der beiden vorher genannten weiblichen Figuren.
Formell besteht das Gedicht aus vier Strophen mit unterschiedlicher Versanzahl. Es gibt keinen festen Reimschema, was zu dem Eindruck von freiem Denken und Veränderung beiträgt, der im Inhalt des Gedichts zum Ausdruck kommt. Die Sprache ist gehoben, teils archaisch und bedient sich der mythologischen und religiösen Motive.
Zusammenfassend handelt es sich bei „Venus Madonna“ um ein Gedicht, das sich kritisch mit traditionellen Geschlechterrollen auseinandersetzt und das eine Zukunft visioniert, in der diese aufgelöst sind und alle Menschen sich gegenseitig Erlösung schenken. Die Verbindung von mythologischen und religiösen Symbolen verleiht dem Gedicht eine gewisse Würde und Ernsthaftigkeit, die die Aussage des lyrischen Ichs unterstreicht.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Venus Madonna“ ist Richard Dehmel. Im Jahr 1863 wurde Dehmel in Wendisch-Hermsdorf, Mark Brandenburg geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1893 entstanden. In München ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Moderne zuordnen. Bei dem Schriftsteller Dehmel handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 95 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 14 Versen. Richard Dehmel ist auch der Autor für Gedichte wie „An mein Volk“, „Antwort“ und „Auf der Reise“. Zum Autor des Gedichtes „Venus Madonna“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 522 Gedichte vor.
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