Trügender Strahl von Otto Ernst

1 
Freundlicher Gefährte später Stunden,
2 
Kleiner Vogel, warum singst du nun?
3 
Nacht und Schlaf hat längst die Welt umwunden.
4 
Ließ die späte Lampe dich nicht ruhn?
 
5 
Durch des Käfigs Hüllen wohl verirrte
6 
Sich ein Strahl, der dir ins Auge drang,
7 
Und dein helles Stimmlein klang und schwirrte –
8 
Armer Freund! Der Morgen säumt noch lang.
 
9 
Auch mein Mut erhob im Traum die Schwingen –
10 
Aber Nacht umhüllt’ mich schwer und dicht.
11 
Und mein Herz begann von selbst zu klingen – !
12 
Welchem Licht es sang – ich weiß es nicht.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (23.9 KB)

Details zum Gedicht „Trügender Strahl“

Autor
Otto Ernst
Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
84
Entstehungsjahr
1907
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Trügender Strahl“ wurde von Otto Ernst, einem deutschen Schriftsteller, verfasst, der von 1862 bis 1926 lebte. Die Arbeit gehört damit in die Zeit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, insbesondere der Naturalismus-Periode.

Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht nachdenklich und ein wenig melancholisch. Es ist geprägt von einer ruhigen, stillen Atmosphäre und von einer ausgeprägten Naturverbundenheit.

Inhaltlich geht es in dem Gedicht um einen Vogel, der zur späten Stunde singt, obwohl die Welt bereits von Nacht und Schlaf umgeben ist. Das „lyrische Ich“ vermutet, dass das künstliche Licht einer Lampe den Vogel dazu verleitet hat, nicht zu ruhen und stattdessen zu singen. Die zweite Strophe bestätigt diese Vermutung, indem sie den Einfall eines Lichtstrahls in den Käfig und den daraufhin ertönenden Gesang des Vogels beschreibt. In der dritten Strophe wird schließlich eine Parallele zwischen dem Vogel und dem lyrischen Ich gezogen. Auch das Ich hat demnach den Mut, sich gegen die Dunkelheit aufzulehnen und trotz der vorherrschenden Bedingungen seine Bestimmung zu verfolgen, selbst wenn es, wie der Vogel, nicht genau weiß, welchem „Licht“ es folgt.

Formal besteht das Gedicht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen. Die verwendete Sprache ist eher einfach und gut verständlich, sie zeichnet sich aber durch eine hohe Bildlichkeit und Symbolik aus. Der Vogel, der Gesang, das Licht und die Dunkelheit fungieren als Symbole für Menschheitsfragen wie das Streben nach dem Sinn des Lebens und das Verhältnis von Mensch und Natur.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Otto Ernst in „Trügender Strahl“ das Bild eines Vogels nutzt, um eine tiefergehende Botschaft zu vermitteln: Trotz der oft schwierigen und unbekannten Umstände, die das Leben uns auferlegt, ist es wichtig, unserer inneren Stimme zu folgen und unseren Mut nicht zu verlieren.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Trügender Strahl“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Otto Ernst. Geboren wurde Ernst im Jahr 1862 in Ottensen bei Hamburg. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1907 zurück. In Leipzig ist der Text erschienen. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das vorliegende Gedicht umfasst 84 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Die Gedichte „Chidhr“, „Das Gesicht der Wahrheit“ und „Der Einsame“ sind weitere Werke des Autors Otto Ernst. Zum Autor des Gedichtes „Trügender Strahl“ haben wir auf abi-pur.de weitere 64 Gedichte veröffentlicht.

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