Antwort auf einen Brief des Malers Oskar Coester von Joachim Ringelnatz

Ein Wort auf das, was du gesprochen.
Stütz guten Kopf in gute Hand
Und laß dein Herz ans Weinglas pochen:
 
Heimat ist kein begrenztes Land.
Auch wo man Muttersprache spricht,
Ist Heimat nicht.
Mich deucht, es will auch nichts besagen,
Ob einer seine Heimat kennt.
Denn Lüge ist, was auf Befragen
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Das Heimweh uns als Heimat nennt.
 
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Ein schmutzig Loch kann rührend sich verkneifen,
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Und höchste Würde kann zur Blase reifen.
 
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Stich fest in das Humorische!
 
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Heimat? Wir alle finden keine,
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Oder – und allerhöchstens – eine
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Improvisatorische.
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Es kommt auch gar nicht darauf an. – –
 
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Ich danke dir für den Vergleich
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Mit einem braven Reitersmann.
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Man tue möglichst, was man kann.
 
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Coester, du bist von Gott aus reich.
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Schäum aus, was du zu schenken hast;
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Das Letzte wäre dir noch Last.
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Und warte frech, doch fromm auf Leiden.
 
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Denn du wächst neben dem Jahrhundert.
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Du bist der größre von uns beiden.
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Ich habe dich so oft bewundert. –
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Wie kläglich ist es zu beneiden. –
 
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Du wurdest leider mir von fern
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Noch lieber, als du warst im Nahen.
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Nun, da wir lange uns nicht sahen,
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Bild ich mir ein: Du hast mich gern.
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Ach bitte komme bald zurück
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Mit offnem, unverwitzeltem Vertraun.
 
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Ich wünsche dir fürs neue Jahr viel Glück,
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Eine Frau (zur Hochzeit mich einladend)
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Und andre große Nebenfraun
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Und was du sonstens wichtig brauchst.
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Daß du nie was anders, als wie badend,
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Auch für Minuten nur untertauchst.

Details zum Gedicht „Antwort auf einen Brief des Malers Oskar Coester“

Anzahl Verse
10
Anzahl Zeilen
40
Anzahl Wörter
235
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Antwort auf einen Brief des Malers Oskar Coester“ stammt aus der Feder des Autoren bzw. Lyrikers Joachim Ringelnatz. Der Autor Joachim Ringelnatz wurde 1883 in Wurzen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1928 zurück. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autoren kann der Text der Epoche Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das 235 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 40 Zeilen mit insgesamt 10 Versen. Die Gedichte „Alone“, „Alte Winkelmauer“ und „Alter Mann spricht junges Mädchen an“ sind weitere Werke des Autoren Joachim Ringelnatz. Zum Autoren des Gedichtes „Antwort auf einen Brief des Malers Oskar Coester“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

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