Traum vom Fliegen von Karl Kraus

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Und wieder mir träumte, ich wäre geflogen,
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und diesesmal war es doch sicherlich wahr,
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denn ich hatte so leicht wie die Luft ja gewogen
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und hatte die Knie an den Körper gezogen,
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und es ging wie im Flug, im beherztesten Bogen
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hoch über der schwergewichtigen Schar,
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es war keine Täuschung, ich war nicht betrogen,
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es flogen die Stunden, die Tage, das Jahr.
 
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Mit fliegenden Hoffnungen vollgesogen,
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so wach’ ich mit müderen Gliedern auf.
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Zu Lande ist Leben; und angelogen,
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vom leichtesten Trug an der Nase gezogen,
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aus allen Himmeln zur Erde geflogen,
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da lieg’ ich, da liegen die Lügen zuhauf.
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Und trotzdem bleib’ ich dem Traume gewogen,
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so läuft er sich leichter, der Lebenslauf.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.2 KB)

Details zum Gedicht „Traum vom Fliegen“

Autor
Karl Kraus
Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
16
Anzahl Wörter
114
Entstehungsjahr
1920
Epoche
Moderne,
Expressionismus,
Avantgarde / Dadaismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Traum vom Fliegen“ wurde von Karl Kraus verfasst, einem österreichischen Schriftsteller und Journalisten, der von 1874 bis 1936 lebte. Das Gedicht stammt damit aus der Epoche der Moderne, in der Literatur oft eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Umbrüchen und der fortgeschrittenen Industrialisierung darstellte.

Beim ersten Lesen wird ein Gefühl von Sehnsucht und Unzufriedenheit mit der Realität deutlich. Das lyrische Ich träumt davon, zu fliegen, findet sich dann jedoch wieder auf der Erde und in der Realität wieder. Der Traum vom Fliegen scheint hier Metapher für das Streben nach Freiheit, Ungebundenheit und Grenzenlosigkeit zu sein.

Der Inhalt des Gedichts lässt sich grob in zwei Abschnitte teilen: Die Darstellung des Traums und das Erwachen in der Realität. Zunächst beschreibt das lyrische Ich einen intensiven Traum vom Fliegen. Es erlebt ein Gefühl der Schwerelosigkeit und Bewegungsfreiheit, das als euphorisch und befreiend beschrieben wird. In der zweiten Strophe erfolgt dann das bittere Erwachen, zurück in der Realität und der Erdenschwere. Doch das lyrische Ich bleibt der Sehnsucht nach Freiheit treu und findet in der Vorstellung vom Fliegen einen Ausgleich zur Realität.

Die Struktur des Gedichts spiegelt diesen Inhalt wider: Es besteht aus zwei Strophen mit jeweils acht Versen, was eine klare Trennung zwischen dem Traum und der Realität darstellt. Sprachlich verwendet Kraus wiederkehrende Motive und Wendungen, die diese Trennung verstärken. Dabei verwendet er eine einfache, leicht zugängliche Sprache, die jedoch durch den Einsatz von Metaphern und Vergleichen eine tiefere Ebene der Bedeutung enthält.

Das Gedicht kann so als Ausdruck des menschlichen Wunsches nach Freiheit und Grenzenlosigkeit gedeutet werden, welcher in Kontrast zur ernüchternden Realität des Alltags steht. Es zeigt, wie Träume und Fantasien als emotionales Ventil und Ausgleich zur oft enttäuschenden Wirklichkeit dienen können.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Traum vom Fliegen“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Karl Kraus. 1874 wurde Kraus in Jičín (WP), Böhmen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1920 zurück. In München ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Moderne, Expressionismus, Avantgarde / Dadaismus oder Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 2 Strophen und umfasst dabei 114 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Karl Kraus sind „Als Bobby starb“, „An den Schnittlauch“ und „An eine Falte“. Zum Autor des Gedichtes „Traum vom Fliegen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 61 Gedichte vor.

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