Tiefer Friede von Frank Wedekind

1 
Die Tage verblassen, die Stunden zergehn,
2 
Die Waffen rasten und rosten;
3 
Ich bin von vorn und von hinten besehn
4 
Ein armer verlorener Posten.
 
5 
Es kreisen die Dohlen, es kriecht das Gewürm,
6 
Die Menschen hassen und lieben;
7 
Ich bin wie ein alter Regenschirm
8 
In Gedanken stehen geblieben.
 
9 
Staub deckt meine Falten, es wackelt der Knauf,
10 
Es wankt das Skelett unterm Knaufe;
11 
Ich wollte, des Schicksals Hand spannte mich auf
12 
Und hielte mich unter die Traufe.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Tiefer Friede“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
74
Entstehungsjahr
1905
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichts ist Frank Wedekind, ein deutscher Schriftsteller, der von 1864 bis 1918 lebte. Wedekind schrieb während der Schaffensperiode des literarischen Naturalismus und des Expressionismus, daher lässt sich das Gedicht vermutlich in die Zeit des späten 19. bis frühen 20. Jahrhunderts einordnen.

Auf den ersten Blick wirkt das Gedicht melancholisch und nachdenklich, es zeichnet ein düsteres Bild und spricht Themen wie Einsamkeit, Vergänglichkeit und Resignation an.

Im Gedicht „Tiefer Friede“ spricht das lyrische Ich von der fortschreitenden Zeit („Die Tage verblassen, die Stunden zergehn“), von der Stille und Ruhe („Die Waffen rasten und rosten“), und bezeichnet sich selbst als „armer verlorener Posten“ – vielleicht ein Hinweis darauf, dass das lyrische Ich sich orientierungslos, verlassen oder allein fühlt. Das Bild der kreisenden Dohlen und des kriechenden Gewürms könnte auf den natürlichen Zyklus von Leben und Tod hinweisen, während die Menschen, die hassen und lieben, menschliche Emotionen und Interaktionen repräsentieren könnten. Als „alter Regenschirm“ beschreibt das lyrische Ich sich selbst, der in Gedanken stehen geblieben ist, was auf eine innere Leere, Resignation oder depressiven Zustand hindeuten könnte. Die Verse 9 bis 12 beschreiben eine physische und möglicherweise auch mentale Zerrissenheit und Instabilität („Staub deckt meine Falten, es wackelt der Knauf, Es wankt das Skelett unterm Knaufe“), und das Bedürfnis nach Schutz („Ich wollte, des Schicksals Hand spannte mich auf und hielte mich unter die Traufe“).

Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu je vier Versen, die Form ist also relativ einfach und übersichtlich. Wedekinds Sprache ist eher schlicht und für seine Zeit typisch, allerdings verwendet er ausdrucksstarke Bilder und Metaphern, die eine tiefgreifende Wirkung erzielen, sowie eine Ironie, die die melancholische Stimmung des Gedichts verstärkt. Ein Beispiel dafür ist die Metapher des „alten Regenschirms“, der für das lyrische Ich steht und sowohl Schutz als auch Vergänglichkeit symbolisiert.

Zusammengefasst handelt es sich bei dem Gedicht „Tiefer Friede“ um einen introspektiven Text, in dem das lyrische Ich seine Gefühle der Einsamkeit, Melancholie und Resignation zum Ausdruck bringt. Trotz der simplen Form und Sprache ist das Gedicht tiefgründig und regt zum Nachdenken an.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Tiefer Friede“ des Autors Frank Wedekind. Geboren wurde Wedekind im Jahr 1864 in Hannover. 1905 ist das Gedicht entstanden. München ist der Erscheinungsort des Textes. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Moderne kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Der Schriftsteller Wedekind ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 74 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Die Gedichte „Allbesiegerin Liebe“, „Alte Liebe“ und „Altes Lied“ sind weitere Werke des Autors Frank Wedekind. Zum Autor des Gedichtes „Tiefer Friede“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 114 Gedichte vor.

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