Tief im Winter von Paul Haller
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Das Feld im Winterschlaf, der Wald bereift, |
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Wie tot die ganze weite Welt. |
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Das Schweigen wandelt durch die klare Luft |
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Wie ferner Glockenton. |
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Was mir das Herz, das wilde Herz bewegt, |
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Mit heißem Wunsch die ganze Welt umspannt, |
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Das kehret heim ins enge Kämmerlein |
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Und sinkt in Winterschlaf. |
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So bin ich dir, Natur, nun eng vereint. |
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Wir schlafen beide. Doch der toten Brust |
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Entsteigt aus tiefstem Grund ein goldner Traum: |
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Der Allmacht Schreiten hör ich groß und stark, |
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Die ew’ge Liebe beugt sich hoch herab. |
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Wie ferner Hornklang zieht es mir ins Herz: |
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Du bist in Gotteshand. |
Details zum Gedicht „Tief im Winter“
Paul Haller
4
15
98
nach 1898
Naturalismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht stammt von Paul Haller und wurde vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben, da der Autor von 1882 bis 1920 lebte.
Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht ruhig und introspektiv, vielleicht sogar melancholisch. Die winterliche Landschaft und die äußere Ruhe spiegeln auch eine innere Ruhe und Rückzug des lyrischen Ichs wider.
„Das Feld im Winterschlaf, der Wald bereift“ – diese Worte eröffnen das Gedicht und stellen eine Landschaft dar, die in einen tiefen Winterschlaf gefallen ist. Die Welt erscheint tot und es herrscht ein wandelndes Schweigen. Dieses Schweigen wird mit dem fernen Klang einer Glocke gleichgesetzt, was ein religiöses Motiv miteinbezieht.
Im zweiten Abschnitt geht es mehr um das innere Erleben des lyrischen Ichs. Sein wildes, leidenschaftliches Herz, das die ganze Welt umfassen will, kehrt schließlich in sein „enges Kämmerlein“ zurück und begibt sich ebenfalls in einen Winterschlaf.
Im dritten und vierten Abschnitt erklärt das lyrische Ich, dass es nun eng mit der Natur verbunden ist, da beide schlafen. Trotzdem erwacht in der „toten Brust“ ein goldener Traum. Gott wird als allmächtig und liebevoll dargestellt. Der Gedanke, in Gottes Hand zu sein, zieht „wie ferner Hornklang“ ins Herz des lyrischen Ichs.
Das Gedicht ist in vier Strophen unterteilt, die jeweils aus drei bis vier Versen bestehen. Es handelt sich also um ein festes, durchgängiges Versmaß, was die ruhige, meditative Atmosphäre des Gedichtes unterstützt. Die Sprache ist bildhaft und poetisch, jedoch nicht allzu kompliziert. Naturbilder dominieren das Gedicht, was typisch für die Gedichte des frühen 20. Jahrhunderts ist. Hinzu kommen die religiösen Anspielungen durch Glockenton und der Erwähnung Gottes im letzten Vers.
Insgesamt kann man sagen, dass dieses Gedicht eine Verbindung zwischen Natur und Innerlichkeit herstellt. Es bringt den tiefen Wunsch des lyrischen Ichs zum Ausdruck, mit der Natur vereint zu sein und unterstreicht gleichzeitig seine Spiritualität. Es liest sich wie eine meditative Reflexion über die innere und äußere Ruhe im Winter, und das tiefe Vertrauen in Gott.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Tief im Winter“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Paul Haller. Im Jahr 1882 wurde Haller in Rein bei Brugg geboren. Das Gedicht ist in der Zeit von 1898 bis 1920 entstanden. Der Erscheinungsort ist Aarau. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Naturalismus zuordnen. Bei Haller handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 98 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 15 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Die Gedichte „Abseits (Haller)“, „Adie Wält“ und „An die Mutter“ sind weitere Werke des Autors Paul Haller. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Tief im Winter“ weitere 65 Gedichte vor.
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- Abseits (Haller)
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- An die Mutter
- An die blasse Sonne I
- An die blasse Sonne II
- An die strahlende Sonne
- An eine Sängerin
- Augen
Zum Autor Paul Haller sind auf abi-pur.de 65 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
