Testament von Erich Mühsam

Nein, ich will nicht eher zu Grabe,
eh ich nicht auch die letzten Sprossen
irdischen Glückes erstiegen habe,
eh ich das Leben nicht ganz genossen;
 
eh ich nicht alle Frauen umschlungen,
die mich durch meine Träume begleiten,
eh ich nicht alle Lieder gesungen,
die sich in meinem Herzen bereiten;
 
eh ich nicht alle Werke gestaltet,
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die sich dem schaffenden Geiste entbinden,
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eh ich der Führerpflicht nicht gewaltet,
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daß die Menschen ihr Wegziel finden;
 
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eh ich nicht fröhliche Augen sehe,
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die von Erhebung und Stolz verjüngt sind,
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eh ich nicht über Äcker gehe,
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die statt mit Tränen mit Freude gedüngt sind.
 
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Nimmt der Erlöser dann und Vernichter
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von meinen Tagen die lastenden Ketten,
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sollt ihr den seligsten Menschen und Dichter
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tief in befreites Erdreich betten.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.4 KB)

Details zum Gedicht „Testament“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
124
Entstehungsjahr
1920
Epoche
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Testament“ ist Erich Mühsam. Geboren wurde Mühsam im Jahr 1878 in Berlin. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1920 zurück. Der Erscheinungsort ist München. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Expressionismus zuordnen. Bei dem Schriftsteller Mühsam handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 124 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 20 Versen. Weitere Werke des Dichters Erich Mühsam sind „... Der für die Menschheit starb“, „1919“ und „An die Dichter“. Zum Autor des Gedichtes „Testament“ haben wir auf abi-pur.de weitere 57 Gedichte veröffentlicht.

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