Sängerliebe von Heinrich Kämpchen
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Don Giscardo, Graf von Alba-Spina, |
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Herr zu Torre und Cronogle-Delta, |
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Zog als Minnesänger durch die Täler |
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Der Provence, seines Heimatlandes. |
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Die Provence hallte von den Tönen |
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Seiner Zither wider, alle Burgen |
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Steckten Banner aus, und jeder Schloßherr |
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Wünschte Don Giscardo sich zu Gaste. |
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Mächtig war das Lied des Don Giscardo, |
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Graf von Alba-Spina, Herr zu Torre |
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Und Cronogle-Delta, wenn er singend |
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Zog durch seine schönen Heimattäler. |
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Mächtig, wie das Läuten in den Wipfeln |
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Alter Eichen bei Gewitterstürmen – |
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Süßer, denn das Buhlen linder Weste, |
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Wenn sie durch des Südens Palmen ziehen. – |
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All’ die großen Sänger der Provence |
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Beugten sich vor Don Giscardo, als er, |
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Zitherschlagend auf der Burg von Toro, |
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Seine Lieder sang vor Adelinen. |
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All’ die großen Sänger der Provence |
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Zogen flüsternd sich zurück im Saale, |
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Als sie eine große rote Rose |
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Prangen sahen an der Brust Giscardos. – |
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Von dem schönsten Weibe war die Rose, |
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Adeline gab sie Don Giscardo |
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Nach dem schönsten aller seiner Lieder, |
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Die zu Frauenruhme er gesungen. – |
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Dunkle Augen suchten und sie fanden |
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Dunkle Blicke, die den Weg zum Herzen |
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Weiter suchten und mit Blitzesschnelle |
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Amors Band um Psychens Schultern wanden. – |
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Töne sind die heißesten Bewerber |
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Um das Herz des Weibes, trotzt es diesen, |
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Wird es keinem andern Werber glücken |
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Einzudringen in die keusche Seele. – |
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Adeline war Giscardos erste, |
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Und Giscardo ihre erste Liebe – |
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Solche unentweihte Herzen lodern |
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Blitzschnell auf zu unlöschbarem Brande. – |
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Unlöschbar und selber sich verzehrend – |
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Eines Sängers erste, einz’ge Liebe |
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Hilft nur schneller die Zerstörung reifen, |
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Woran jede Dichterseele kranket. – |
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Don Giscardo liebte Adelinen – |
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Wenn er lange in die feuchten Sterne |
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Ihres Aug’s geschaut, so stieg er nieder |
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Zu den Ufern der Garonn’ und weinte. – |
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Warum weinte Don Giscardo – Rätsel |
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Einer Dichterseele, die im Sehnen |
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Unbewußt sich aufzehrt – Adelinen |
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Wurde trüber bei Giscardos Weinen. – |
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Warum weint Giscardo – wieder frag ich’s, |
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Wieder tönt die Antwort: Zu den stillen |
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Wassern der Garonne zieht’s ihn nieder – |
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Eine Dichterseele kennet niemand. – |
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Und auch Adelinen wurde trüber – |
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Wenn sie in die feuchten Augensterne |
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Don Giscardos schaute, sah sie drinnen |
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Nur die stillen Wasser der Garonne. – |
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Sängerliebe tötet sich im Sehnen, |
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Denn die Muse rächt sich am Entweiher |
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Ihres Heiligtumes und sie senket |
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Todesphantasien in die Seele. – |
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Eines Abends, Don Giscardo weinte |
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Wieder in der schmerzlich stillen Weise, |
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Adeline senkte ihre Locken |
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Und sie netzten sich an seinen Wimpern. – |
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„Adeline,“ sprach er, „dieser Abend |
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Ist der letzte, Don Giscardo werden |
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Diese Nacht Garonnewellen decken, |
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Adeline, willst du mit mir sterben?“ |
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Und sie neigte tiefer ihre Locken, |
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Wie das Kind beim Segensspruch der Mutter, |
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Ihre Lippen küßten Don Giscardos, |
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Ihre Geister hatten sich gefunden. – |
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Und sie stiegen bei des Mondes Schimmern |
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Auf zum höchsten Schlossesturm von Toro, |
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An dem Himmel glitzerten die Sterne, |
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Dunkel lag der Spiegel der Garonne. – |
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„Adeline“, sprach dann noch Giscardo, |
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„Willst du mit mir, kannst du mit mir sterben? – |
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Unten rauscht das Wasser der Garonne, |
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Kaltes Brautbett für die warme Liebe.“ – |
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Adeline schweigt, doch ihre Blicke |
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Sagen mehr wie tausend Rednerworte, – |
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Adeline stirbt mit Guiscardo, |
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Kaltes Brautbett wird die Lieb’ erwarmen. – |
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Heiter faßt Giscardo Adelinen – |
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Einen Blick zum blauen Sternenhimmel, |
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Und ein Sprung, ein Sausen in die Tiefe, |
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Daß die Wasser der Garonne rauschen. – |
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Don Giscardo, Graf von Alba-Spina, |
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Herr zu Torre und Cronogle-Delta, |
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Lag mit seiner heißgeliebten Dame |
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Auf dem stillen Grunde der Garonne. – |
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Und der Schiffer, der hinüber setzet |
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An dem hohen Schlossesturm von Toro, |
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Hört zuweilen noch Giscardo singen – |
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Lauschet still und betet für den Sänger. – |
Details zum Gedicht „Sängerliebe“
Heinrich Kämpchen
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100
567
1909
Moderne
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Sängerliebe“ von Heinrich Kämpchen, einem deutschen Schriftsteller, der von 1847 bis 1912 lebte, erweckt beim ersten Lesen den Eindruck einer intensiven, romantischen und dramatischen Erzählung, die in Verse gegossen wurde. Der Autor gehörte zur Epoche des Realismus, und sein Gedicht zeigt Elemente der Romantik, wie die intensive Beschreibung von Emotionen und die idyllische Darstellung der Natur.
Inhaltlich geht es um Don Giscardo, einen Minnesänger, der durch seine Heimat, die Provence, zieht und durch sein Lied alle Burgen erobert. Er wird als mächtiger Sänger dargestellt und gewinnt die Bewunderung und den Respekt aller großen Sänger der Provence. Im Laufe des Gedichts verliebt sich Don Giscardo in Adeline und ihre gegenseitige Liebe entflammt zu einer intensiven Leidenschaft. Diese Erstliebe wird als eine zerstörerische Kraft dargestellt, die ein unlöschbares Feuer im Herzen des Geliebten entzündet. Dies führt dazu, dass Don Giscardo und Adeline sich entscheiden, gemeinsam in den Fluss Garonne zu springen und zu sterben.
Die Botschaft des lyrischen Ich könnte sein, dass die Macht der Liebe überwältigend sein kann und zu eine destruktiven Leidenschaft führen kann, besonders wenn sie mit der Intensität der kreativen Energie eines Künstlers verbunden ist.
Die Sprache des Gedichts ist formal und reich an bildhaften Vergleichen, die die Natur und die Emotionen der Charaktere lebendig beschreiben. Die Form ist streng strukturiert, mit vier Versen pro 25 Strophen und einem Reimschema, das den melodischen Ton des Gedichts unterstreicht. Der Rythmus und das Metrum ändern sich nicht, was dazu beiträgt, ein Gefühl der Beständigkeit und Unvermeidlichkeit hervorzurufen, das zum tragischen Ende des Gedichts führt.
Schließlich ist es wichtig zu beachten, dass das Gedicht stark auf die Emotionen abzielt und eine düstere und tragische Atmosphäre schafft. Die Intensität der Gefühle und die sinnliche Beschreibung der Natur tragen dazu bei, dass das Gedicht auch heute noch ansprechend und bewegend ist.
Weitere Informationen
Heinrich Kämpchen ist der Autor des Gedichtes „Sängerliebe“. Der Autor Heinrich Kämpchen wurde 1847 in Altendorf an der Ruhr geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1909. In Bochum ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Moderne kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das Gedicht besteht aus 100 Versen mit insgesamt 25 Strophen und umfasst dabei 567 Worte. Weitere Werke des Dichters Heinrich Kämpchen sind „Am goldenen Sonntag“, „An Annette von Droste-Hülshoff“ und „An Hertha“. Zum Autor des Gedichtes „Sängerliebe“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 165 Gedichte vor.
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Zum Autor Heinrich Kämpchen sind auf abi-pur.de 165 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
