Sylvesternacht von Paul Haller

1 
Die letzte Nacht im alten Jahr
2 
Steigt auf so licht und sternenklar.
3 
Ihr Sterne, wenn ihr niedergeht,
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Die neue Zeit am Himmel steht.
 
5 
Ihr wandert droben heiter fort
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Und findet den bestimmten Ort.
7 
Hier unten lebt sich’s sehnsuchtsvoll;
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Wir wissen nicht, was werden soll.
 
9 
Ihr tragt mit unverwandtem Sinn
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Den Glanz durch Ewigkeiten hin.
11 
Wir tun mit bangem Angesicht
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Viel schneller aus das kurze Licht.
 
13 
Ihr hört nicht auf den Stundenschlag;
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Wir haben einen kurzen Tag,
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Und was wir glauben, was wir tun,
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Wird bald mit uns im Grabe ruhn.
 
17 
Drum, Sterne, webt aus Silberglanz
18 
Mir um die Stirn den Freudenkranz,
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Daß ich mit heiterm Geist und frei
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Der Gast des neuen Jahres sei.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.4 KB)

Details zum Gedicht „Sylvesternacht“

Autor
Paul Haller
Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
115
Entstehungsjahr
nach 1898
Epoche
Naturalismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Sylvesternacht“ stammt von Paul Haller. Paul Haller lebte von 1882 bis 1920, weshalb das Gedicht in die literarische Epoche des Realismus oder des beginnenden Expressionismus einzuordnen ist.

Beim ersten Lesen fällt auf, dass das Gedicht stark von den Themen Zeit, Vergänglichkeit und Unbeständigkeit des Lebens geprägt ist. Es trägt eine melancholische Stimmung, gemischt mit einer Art hoffnungsvollen Sehnsucht nach dem Neuanfang mit dem neuen Jahr.

Der Inhalt des Gedichts dreht sich um den Kontrast zwischen dem ewigen Kreislauf der Sterne und der vergänglichen, unsicheren Existenz der Menschen. In der ersten Strophe wird die letzte Nacht des alten Jahres und das Kommen der neuen Zeit beschrieben. Das lyrische Ich wendet sich an die Sterne und betont ihre Beständigkeit und Unveränderlichkeit. Die Menschen hingegen, wie es in den zweiten und dritten Strophen dargestellt wird, sind unsicher und von Sorgen geplagt, da sie nicht wissen, was die Zukunft bringt. Sie leben „sehnsuchtsvoll“ und mit „bangem Angesicht“. Die vierte Strophe zeigt die Vergänglichkeit menschlichen Lebens auf, im Gegensatz zu den ewigen Sternen, die keinen „Stundenschlag“ kennen. Schließlich bittet das lyrische Ich in der letzten Strophe die Sterne darum, ihm Freude im neuen Jahr zu bringen und ihm zu ermöglichen, „mit heiterem Geist und frei“ in das neue Jahr zu starten.

Formal besteht das Gedicht aus fünf Strophen zu je vier Versen, es handelt sich also um ein vierhebigen Jambus. Der Reimschema ist Kreuzreim, welcher weit verbreitet ist und typisch für die Lyrik dieser Epoche. Die Sprache des Gedichts ist gehoben, aber dennoch alltagstauglich und verständlich. Es werden einfache, aber dennoch bildhafte Ausdrücke und Metaphern verwendet, wie zum Beispiel „webt aus Silberglanz“ oder „den Freudenkranz“.

Paul Hallers „Sylvesternacht“ ist somit ein nachdenkliches Gedicht, welches die Vergänglichkeit des Menschen und den ewigen Kreislauf der Natur miteinander kontrastiert. Es drückt zum einen Melancholie und Unsicherheit aus, aber auch Hoffnung und Sehnsucht nach Neuanfang mit dem neuen Jahr.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Sylvesternacht“ des Autors Paul Haller. Haller wurde im Jahr 1882 in Rein bei Brugg geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1898 und 1920. Aarau ist der Erscheinungsort des Textes. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Naturalismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Haller handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 115 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 20 Versen. Die Gedichte „An die blasse Sonne II“, „An die strahlende Sonne“ und „An eine Sängerin“ sind weitere Werke des Autors Paul Haller. Zum Autor des Gedichtes „Sylvesternacht“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 65 Gedichte vor.

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