Sylvesterlitanei von Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Auf, ihr Liedertafler, Auf- und Niederstaffler |
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Auf der Töne Leiter, staffelt schön und heiter |
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In das Jahr! |
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Nehmet mit ins Neue, Kitt der alten Treue, |
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Weißen Wein und rothen, und was sonst von Noten, |
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Hold uns war. |
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Unser Herr Direktor, Correktor, Protector, |
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Roher Kehlen Rektor, froher Seelen Hektor, |
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Lebe hoch! |
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Flugs noch Fünfzig schreib’ er, und fuchsmunter bleib’ er; |
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Kräftig, wie die Rebe, strebe, hebe, lebe |
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Er uns hoch! |
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Doch zum Glück des Jahres braucht man ein Stück Baares. |
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Unser Herr Schatzmeister schütz’ den Platz der Geister |
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Durch sein Gold. |
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Dankbar sind die Musen; klanggesinnt im Busen, |
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Bau er trauter Meister, denn Baumeister heißt er, |
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’s Jahr uns hold. |
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Schreibemeister, schreibe, daß der Geist uns bleibe, |
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Daß im alten Walten wir uns halten, schalten |
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Liedgetreu. |
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So im neuen Jahre froh sich offenbare |
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Reiz am Reich’ der Lieder, gleich dem Jahr’ uns wieder |
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Fröhlich neu. |
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Uns zuletzt zu letzen, um in Schwung zu setzen |
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Unsre Musengaben, müssen wir auch haben |
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Schöne Welt. |
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Gern darum, ihr Schönen, Kern zu unsern Tönen, |
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Unser Werk zu krönen, bleibet den Kamönen |
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Treu gesellt. |
Details zum Gedicht „Sylvesterlitanei“
5
30
178
1839
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht „Sylvesterlitanei“ wurde von Johann Karl Wilhelm Geisheim geschrieben, der von 1784 bis 1847 lebte. Damit fällt es in die Epoche des Biedermeier und Vormärz, welche sich durch eine Rückbesinnung auf die Familie und das Private und eine Abkehr von der großen Politik auszeichnete.
Schon beim ersten Lesen fällt der fröhliche Ton und der feiernde Charakter des Gedichts auf. Der Inhalt des Gedichts scheint eine Hommage an das Ende des alten und den Beginn eines neuen Jahres zu sein, sowie eine Anerkennung der Rolle, die Musik und Gesang in diesem Übergang spielen. Es handelt von der Hoffnung und dem Wunsch des lyrischen Ichs, dass die Freude und Herzlichkeit, die in der Gemeinschaft von Freunden und in der Musik gefunden werden, ins neue Jahr mitgenommen werden.
Die fünf Strophen des Gedichts bestehen jeweils aus sechs Versen, was dem Gedicht eine rhythmische Struktur verleiht. Zudem ist der Gebrauch der Sprache sehr bildhaft und farbenfroh, mit vielen positiven Konnotationen und klarem Vokabular. Die Verse sind gekennzeichnet durch Klangspiele und sprachliche Bilder, die eine positiv-ausgelassene Stimmung erzeugen. Ein Großteil der Verse ist in einer Art Aufforderungsform gehalten, die dazu dient, die Zuhörer zum Feiern und zum Erinnern an das vergangene Jahr zu ermutigen.
Die Form und Sprache des Gedichts zeigen den Wunsch des Autors, positive Gefühle und Frohsinn zu wecken. Das Gedicht ist ein Ausdruck freudiger Antizipation auf das kommende Jahr und den Wunsch, die Gemeinschaft und den Geist der Freude, die im alten Jahr gefunden wurden, ins neue Jahr zu übertragen. Es ist ein Loblied auf die menschlichen Verbindungen, die Musik sowie die Freude am Leben.
Weitere Informationen
Johann Karl Wilhelm Geisheim ist der Autor des Gedichtes „Sylvesterlitanei“. 1784 wurde Geisheim in Breslau geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1839. Erschienen ist der Text in Breslau. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zugeordnet werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das 178 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 30 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Weitere Werke des Dichters Johann Karl Wilhelm Geisheim sind „Dem Jahre“, „Der Faschingsmantel“ und „Der Wintergarten“. Zum Autor des Gedichtes „Sylvesterlitanei“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 29 Gedichte vor.
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Zum Autor Johann Karl Wilhelm Geisheim sind auf abi-pur.de 29 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
