Sylvester an die Frauen von Johann Karl Wilhelm Geisheim

Schlechte Zeiten, schlechte Zeiten!
Also hört von allen Seiten
Man wohl täglich kläglich schrei’n.
In der Stadt und auf dem Lande,
Überall, ’s ist eine Schande!
Will kein Mensch zufrieden sein.
 
Was, ihr Engel dieser Erden,
Soll aus diesem Jammer werden?
Macht doch geltend euer Reich!
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Ihr ja seid genannt die Schönen;
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Alles Übel zu versöhnen,
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Übertrug der Himmel euch.
 
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Schlaget doch, ihr Lieben, Holden,
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Flugs mit dem Pantoffel golden
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In das Jammerthal hinein;
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Denn ’s gereicht euch nicht zur Ehre,
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Wenn die Männer über Schwere,
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Über Druck der Zeiten schrein.
 
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Und von allen Potentaten
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In der Erde weiter Staaten
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Seid die mächtigsten doch ihr;
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Gegen euch vermag ein König
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Selber doch nur herzlich wenig:
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Herrscht drum weise für und für.
 
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Alle Grillen, alle Falten
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Könnt zu Freuden ihr gestalten,
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Wenn ihr gut den Zepter führt;
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In des Hauses Heiligthume
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Blüht des wahren Glückes Blume,
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Der zu pflegen euch gebührt.
 
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Leicht verwandelt der Pantoffel
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In Ambrosia die Kartoffel,
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Wenn er sanft und freundlich fällt;
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Doch wenn er wie Ketten rasselt
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Und wie Hagelwetter prasselt,
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Dann erstirbt die schöne Welt.
 
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Lasset euch den Ruhm nicht rauben,
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Raubt den Männern nicht den Glauben,
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Daß ihr Gottes Engel seid,
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Die er, daß die schöne Erde
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Ihnen nicht zur Öde werde,
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Hat gesandt in bange Zeit.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „Sylvester an die Frauen“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
213
Entstehungsjahr
1839
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das zu interpretierende Gedicht ist „Sylvester an die Frauen“ von Johann Karl Wilhelm Geisheim, einem deutschen Dichter, der von 1784 bis 1847 lebte. Das Gedicht somit in der Epoche der deutschen Romantik verortet werden kann.

Die erste Lektüre des Gedichtes offenbart einen Kommentar zur Rolle und zum Potential der Frauen in der Gesellschaft. Der Dichter scheint mit jenem einen Dialog zu führen, indem er die Probleme seiner Zeit anprangert und seine Hoffnungen auf die Frauen als mögliche Retterinnen setzt.

Im Inhaltlichen teilt Geisheim seine Zweifel und Kritik an den aktuellen Zuständen der Gesellschaft (Vers 1-6), bevor er sich an die Frauen wendet und ihnen eine besondere Rolle und Verantwortung zuschreibt (Vers 7-12). Er fordert die Frauen auf, gegen die traurige Realität zu kämpfen (Vers 13-18) und erklärt, dass sie mächtiger als Könige sind (Vers 19-24). Weiterhin betont er, dass durch sie Freude und Glück ermöglicht werden können (Vers 25-30), warnt aber gleichzeitig vor den möglichen negativen Auswirkungen ihres Handelns (Vers 31-36). Schlussendlich appelliert er an die Frauen, die Männer in ihrer positiven Überzeugung von ihnen zu bestärken (Vers 37-42).

Die Form des Gedichts ist relativ konstant, mit sechs Strophen zu je sechs Versen. Die Sprache ist klar, direkt und weist eine relativ hohe Alltagsnähe auf. Wichtig ist auch das wiederholte Erscheinen des Wortes „Pantoffel“, welches als Metapher oder Symbol für die Macht der Frauen innerhalb des Haushalts steht. Es scheint auch einen Hinweis darauf zu geben, wie diese Macht ausgeübt werden sollte - sanft und freundlich, nicht hart und gewalttätig.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Sylvester an die Frauen“ eine Hommage an die Frauen und ihre Fähigkeit, positive Veränderungen herbeizuführen ist. Der Ton des Gedichts ist dabei ermutigend und respektvoll, auch wenn es durch die heutige Brille gelesen einige klischeehafte und veraltete Ansichten über die Rolle der Frau offenbart.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Sylvester an die Frauen“ von Johann Karl Wilhelm Geisheim. Geboren wurde Geisheim im Jahr 1784 in Breslau. 1839 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Breslau. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zugeordnet werden. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das 213 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 42 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Johann Karl Wilhelm Geisheim ist auch der Autor für Gedichte wie „Die Schlittschuhfahrer“, „Die Sternbilder“ und „Emancipation“. Zum Autor des Gedichtes „Sylvester an die Frauen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 29 Gedichte vor.

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