Stoffwechsel von Joachim Ringelnatz
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„Wie glüht er im Glase! Wie flammt er so hold! |
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Geschliffnem Topase vergleich ich sein Gold.“ |
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Ich aber meinte den Urin |
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Und dachte mich in Groß-Berlin. |
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Und dachte eine junge Braut, |
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Ganz eingehüllt in Bückingshaut. |
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Da brachte mir der Pikkolo |
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Den Grog. Ich schnupperte und floh. |
Details zum Gedicht „Stoffwechsel“
Joachim Ringelnatz
1
8
46
1924
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das zu interpretierende Gedicht stammt von Joachim Ringelnatz, der von 1883 bis 1934 lebte. Ringelnatz ist besonders für seinen ironischen und sarkastischen Stil bekannt, was sich auch in diesem Gedicht widerspiegelt. Er schrieb das Gedicht wahrscheinlich im frühen 20. Jahrhundert, einer Zeit, in der er in Berlin lebte und arbeitete.
Beim ersten Lesen überrascht das Gedicht durch seinen drastischen Themenwechsel. Es beginnt mit einer anmutigen, fast romantischen Beschreibung, nur um dann in der Mitte überraschend einen alltäglichen, etwas ekelerregenden Gegenstand zum Thema zu machen. Diese Art von Humor ist typisch für Ringelnatz.
Inhaltlich beschreibt das Gedicht, wie das lyrische Ich eine Flüssigkeit bewundert und mit einem geschliffenen Topas vergleicht. Im dritten Vers wird dann deutlich, dass es sich nicht um einen edlen Wein, sondern um Urin handelt. Das lyrische Ich führt seine Gedanken weiter und stellt sich vor, in Berlin zu sein und eine junge Braut in Bückingshaut, also in schlichter Kleidung, zu beobachten. Die letzten Verse handeln von einem Kellner, der dem lyrischen Ich einen Grog bringt, der ihm so unangenehm riecht, dass er flieht.
Das Gedicht ist acht Verse lang und besteht aus zwei Vierzeilern (Quatrains). Neben dem Humor, der durch die Überraschung entsteht, zeichnet sich das Gedicht durch seine Einfachheit und Direktheit aus. Es sind keine komplizierten sprachlichen Mittel oder Symbolik zu finden, was typisch für die Dichtung von Ringelnatz ist. Er nutzt Sprache vielmehr als Werkzeug, um seine humorvollen Gedanken direkt zum Ausdruck zu bringen.
Das Gedicht ist charakteristisch für den humoristischen Ansatz, den Ringelnatz in seiner Dichtung verfolgt. Es untergräbt die Erwartungen des Lesers und spielt mit der Verbindung von Hochkultur (hier repräsentiert durch den edlen Topas und das gedichtete Wort) und Alltagsleben (hier repräsentiert durch den Urin, den Grog und die junge Braut in einfacher Kleidung).
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Stoffwechsel“ des Autors Joachim Ringelnatz. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1924. Erschienen ist der Text in München. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Moderne oder Expressionismus zu. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das 46 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 8 Versen mit nur einer Strophe. Der Dichter Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „Afrikanisches Duell“, „Alone“ und „Alte Winkelmauer“. Zum Autor des Gedichtes „Stoffwechsel“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.
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