Stimmen von Otfried Krzyzanowski

Laß mich allein, ich falle zur Beute
Dem, was die tiefste Schmach du nennst.
Das »Morgen« gilt mir nicht, nicht mehr das »Heute«,
Nur eine Stunde noch, die du nicht kennst.
 
Staub bin ich dann und fremder Stürme Raub und Erde:
Auf mir lastet die Nacht.
Bald schlummert ein Schmerz: Was in mir wacht,
Ist Kummer, Angst, Beschwerde.
 
Sie:
10 
Du reißt dich los. Ich höre noch: Du sinkst.
11 
Weiß nicht, in welchem Meer du ertrinkst.
12 
Bin ich jetzt die Verlassene, Befreite?
13 
War stets doch die zu jedem Schmerz Bereite.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24 KB)

Details zum Gedicht „Stimmen“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
13
Anzahl Wörter
89
Entstehungsjahr
nach 1902
Epoche
Moderne,
Expressionismus,
Avantgarde / Dadaismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht mit dem Titel „Stimmen“ stammt von Otfried Krzyzanowski, einem österreichischen Schriftsteller und Lyriker, der von 1886 bis 1918 lebte. Er war ein Vertreter des expressiven Stils in der Literatur, welcher sich durch eine intensive, subjektive Ausdrucksweise kennzeichnet und eine Reaktion auf die realistischen und naturalistischen Stile der vorangegangenen Ära ist. Daher ist es angemessen, das Gedicht in den Kontext des frühen 20. Jahrhunderts einzuordnen, in einer Zeit großer politischer und sozialer Unruhen.

Bei dem ersten Lesen wirkt dieses Gedicht düster und schwermütig. Es scheint, als ob das lyrische Ich in einem Zustand der tiefen Verzweiflung und Depression ist, was durch Wörter wie „Schmach“, „Kummer“, „Angst“ und „Beschwerde“ deutlich wird.

In einfacheren Worten handelt das Gedicht von einem Individuum, das sich von der Welt entfremdet fühlt und von seinem Schmerz und seinen Sorgen überwältigt wird. In den ersten beiden Strophen spricht das lyrische Ich von seinem Leid, der Tatsache, dass weder die Vergangenheit noch die Zukunft Bedeutung für ihn haben und dass er bald zu Staub und Erde wird. In der dritten Strophe wechselt die Perspektive zu einer weiblichen Stimme, die offenbar von dem lyrischen Ich verlassen wird und ihre Verwirrung und den Schmerz ausdrückt.

Formal besteht das Gedicht aus drei Strophen, ein Vierzeiler, ein weiterer Vierzeiler und ein Fünfzeiler. Es hat keinen durchgängigen Reim, was zu dem allgemeinen chaotischen und melancholischen Ton des Gedichts beiträgt.

Die Sprache des Gedichts ist metaphorisch und bildhaft, insbesondere in Versen wie „Staub bin ich dann und fremder Stürme Raub und Erde“. Es ist gefüllt mit stark emotional geladenen Begriffen, die eine Atmosphäre der Einsamkeit, Verzweiflung und des Leids erzeugen. Krzyzanowski nutzt die Sprache effektiv, um das Innenleben der Charaktere dramatisch und intensiv darzustellen. Insgesamt ist „Stimmen“ ein beeindruckendes Gedicht, das tiefe Gefühle von Melancholie, Einsamkeit und Schmerz hervorruft.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Stimmen“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Otfried Krzyzanowski. 1886 wurde Krzyzanowski in Starnberg geboren. Das Gedicht ist in der Zeit von 1902 bis 1918 entstanden. Der Erscheinungsort ist Leipzig. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Moderne, Expressionismus oder Avantgarde / Dadaismus zu. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das Gedicht besteht aus 13 Versen mit insgesamt 3 Strophen und umfasst dabei 89 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Otfried Krzyzanowski sind „Abschied“, „Aristogeiton“ und „Ästhetik des Kriegs“. Zum Autor des Gedichtes „Stimmen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 37 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Otfried Krzyzanowski (Infos zum Autor)

Zum Autor Otfried Krzyzanowski sind auf abi-pur.de 37 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.