Stille Befürchtung von Frank Wedekind

Seit ich dir mein ganzes Herz entladen,
Peinigt mich geheimnisvolles Weh:
Morgens drängt’s mich seltsam, mich zu baden;
Abends treibt’s mich mächtig ins Café;
 
Nachts umgaukeln mich verrückte Träume,
Daß die Seele bang um Hilfe schreit;
Eng’ bedrücken mich des Himmels Räume,
Die Gewänder werden mir zu weit;
 
Vor den Augen schwirrt ein schwarzer Falter –
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Sprich, o sprich, wie soll ich das verstehn!
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’s ist ein heimlich zartes Knospenalter;
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Doch nicht Liebe scheint mir aufzugehn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Stille Befürchtung“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
77
Entstehungsjahr
1905
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das vorgelegte Gedicht stammt von Frank Wedekind, einem deutschen Schriftsteller und Schauspieler, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wirkte.

Beim ersten Lesen fällt auf, dass das lyrische Ich von unklaren Gefühlen und Sorgen geplagt wird, nachdem es seine Gefühle jemandem gegenüber offenbart hat. Wedekind spricht von einer „stillen Befürchtung“, was einen melancholischen oder bedrückten Ton setzt.

Inhaltlich geht es in dem Gedicht um die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs nach dem Offenbaren seiner Gefühle. Das lyrische Ich scheint darunter zu leiden, nicht zu wissen, wie es seine Emotionen deuten oder verstehen soll. Die Tage sind geprägt von Unruhe (Baden am Morgen und der Besuch des Cafés am Abend), die Nächte von verwirrenden Träumen. Das lyrische Ich fühlt sich eingeengt und zugleich zu weit von seiner Kleidung entfernt, was die inneren Konflikte und mögliche Identitätskrise widerspiegelt. Ein schwarzer Falter vor den Augen kann dabei als Symbol für Unklarheit und Dunkelheit gesehen werden.

Auf der Ebene der Form und Sprache ist das Gedicht in traditionellen Vierzeilern mit Paarreimen (Vers 1 und 2; Vers 3 und 4; usw.) verfasst. Die regelmäßige Strophen- und Versanordnung steht in Kontrast zu dem chaotischen inneren Zustand des lyrischen Ichs. Die Wortwahl ist recht einfach und zugänglich, aber durch die geheimnisvollen und bildhaften Beschreibungen entsteht eine suggestive und eindringliche Atmosphäre.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass Frank Wedekind in „Stille Befürchtung“ auf einfühlsame Weise das Innere eines emotional zerrissenen und angsterfüllten Individuums darstellt. Dies geschieht sowohl durch seine bildliche und suggestive Sprache als auch durch seine klare und regelmäßige Struktur, die in Spannung zu dem chaotischen Gefühlsleben des lyrischen Ichs steht.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Stille Befürchtung“ des Autors Frank Wedekind. Der Autor Frank Wedekind wurde 1864 in Hannover geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1905 entstanden. Der Erscheinungsort ist München. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Moderne zuordnen. Bei Wedekind handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 77 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Frank Wedekind sind „An Berta Maria, Typus Gräfin Potocka“, „An Bruno“ und „An Elka“. Zum Autor des Gedichtes „Stille Befürchtung“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 114 Gedichte vor.

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