Still zu deinem Buche greifst du von Georg Friedrich Daumer
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Still zu deinem Buche greifst du, |
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Zum Pokale greift Hafis; |
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Zur Vollendungskrone reifst du, |
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Zum Verderben reift Hafis. |
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In gewohnter Schranke bleibst du, |
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Ein geduldig frommes Schaf; |
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Als ein Leu aus seinem Gitter |
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In die Wilde schweift Hafis. |
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Eitel gute Werke häufst du, |
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Strahlender Verdienste Berg; |
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Fürchterlich zu aller Stunde |
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Seine Sünden häuft Hafis. |
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Viele fromme Herzen stärkst du |
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Durch gelehrten Unterricht; |
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Mächtiglich in aller Thorheit |
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Alle Thoren steift Hafis. |
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Mörderische Klingen schleifst du, |
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Ziehend in den Ketzerkrieg; |
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Seine Versediamanten, |
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Seine schönen, schleift Hafis. |
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Hoch hinauf zum Himmel steigst du |
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Als ein qualmend Rauchgewölk; |
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Eine frische Felsenquelle, |
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Tief zu Thale läuft Hafis. |
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Fass’ ich es in eine Stanze; |
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Ewig, o du armer Mann, |
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Träufst du nur von Bitterkeiten, |
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Und von Süße träuft Hafis. |
Details zum Gedicht „Still zu deinem Buche greifst du“
Georg Friedrich Daumer
7
28
123
1846
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht „Still zu deinem Buche greifst du“ wurde von Georg Friedrich Daumer geschrieben, einem deutschen Dichter und Philosophen, der von 1800 bis 1875 lebte. Diese zeitliche Einordnung legt nahe, dass das Gedicht im Kontext der Romantik entstanden sein könnte, die sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit Gefühl und Individualität auszeichnet.
Erster Eindruck: Das Gedicht wirkt strukturiert und durch die Wiederholung der Konfrontation der Handlungen des lyrischen Ichs mit denen von Hafis rhythmisch und fließend.
Das Gedicht ist ein Dialog oder Vergleich zwischen dem lyrischen Ich und Hafis, der als sufistischer Dichter im Mittelalter bekannt ist. Durch das gesamte Gedicht hindurch wird eine Art Gegensätzlichkeit der Lebensführung beider Figuren hervorgehoben. Im Gegensatz zu Hafis, der eher exzessive und gewinnende Handlungen ausführt, scheint das lyrische Ich kontrollierte und gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen zu bevorzugen. Diese Gegensätze könnten interpretiert werden als Darstellung der Diskrepanz zwischen einer streng geregelten, eventuell religiös geprägten Lebensweise und einer freien, sinnlichen, die auf persönlicher Verwirklichung und dem Genießen des Moments beruht.
Form und Sprache: Das Gedicht besteht aus sieben vierzeiligen Strophen, was eine traditionelle Gedichtform darstellt. Auffällig ist der ständige Wechsel zwischen einer Aktion des lyrischen Ichs und einer Aktion Hafis'. Selbst bei der Wortwahl nimmt Daumer eine klare Differenzierung vor: das lyrische Ich handelt „still“, „geduldig“, sammelt „gute Werke“, während Hafis „zum Verderben reift“, „in die Wilde schweift“ und „seine Sünden häuft“. Dies verstärkt den Kontrast zwischen den beiden Figuren.
Abschließend lässt sich sagen, dass Daumer in „Still zu deinem Buche greifst du“ die Gegensätze zwischen Selbstbeherrschung und Ausgelassenheit, Konformität und Individualität sowie vermutlich auch zwischen westlicher und östlicher Kultur darstellt. Die konstante Gegenüberstellung der beiden Protagonisten führt zu einem spannungsvollen Dialog, der die oben genannten Themen hervorhebt.
Weitere Informationen
Georg Friedrich Daumer ist der Autor des Gedichtes „Still zu deinem Buche greifst du“. Der Autor Georg Friedrich Daumer wurde 1800 in Nürnberg geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1846. Der Erscheinungsort ist Hamburg. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das vorliegende Gedicht umfasst 123 Wörter. Es baut sich aus 7 Strophen auf und besteht aus 28 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Georg Friedrich Daumer sind „Immerhin, so viel sie mag“, „Lilie hat der Zungen Zehne“ und „Nicht düstre, Theosoph, so tief!“. Zum Autor des Gedichtes „Still zu deinem Buche greifst du“ haben wir auf abi-pur.de weitere 20 Gedichte veröffentlicht.
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- Lilie hat der Zungen Zehne
- Nicht düstre, Theosoph, so tief!
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- O wär ich ein See, so spiegelhell
Zum Autor Georg Friedrich Daumer sind auf abi-pur.de 20 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
