Sta. Cecilia in Trastevere von Marie Eugenie Delle Grazie
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Vor deinem Bildnis bin ich hingesunken, |
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O Jungfrau, – Überwind’rin – Heldin du! |
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Und hab’ verschmachtend tief in mich getrunken |
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Den Zauber deiner unentweihten Ruh’! |
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Dich hätt’ der Tod mit seinen plumpen Oualen |
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Dahingestreckt? Begeist’rung war’s allein: |
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Von Ihrem Blitz seh’ ich dein Antlitz strahlen, |
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In dir verklärt sie noch den todten Stein! |
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Asbest erhielt sie deine heil’gen Glieder |
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Wie sie geblüht; der Katakomben Nacht |
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Gab unberührt und unverwest sie wieder – |
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Zu rein warst du selbst für des Todes Macht! |
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Denn nur Begierd’ entweiht den Leib zu Zunder |
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Und Fäulnis, drin des Wurmes Brut erwarmt – |
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Du aber blühtest, ein jungfräulich Wunder, |
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Noch aus dem Grab, wie dich dein Gott umarmt! |
Details zum Gedicht „Sta. Cecilia in Trastevere“
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1892
Realismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht stammt von Marie Eugenie Delle Grazie, einer österreichischen Schriftstellerin, die von 1864 bis 1931 lebte. Das Gedicht ist somit in das späte 19. bis frühe 20. Jahrhundert einzuordnen, eine Epoche, die als Übergangszeit zwischen Naturalismus und Modernismus gesehen wird.
Auf den ersten Blick wirkt das Gedicht wie ein Gebet oder eine Anbetung an eine heilige Gestalt. Es wird viel von Heiligkeit, Tod und Unvergänglichkeit gesprochen. Inhaltlich geht es um das Bildnis der Heiligen Cecilia, die in einer Kirche in Trastevere, einem Stadtteil von Rom, verehrt wird. Die lyrische Instanz spricht ihre Bewunderung und Ehrfurcht gegenüber der Heiligen aus, die in ihrem Leben ein überirdisches Maß an Reinheit und Unschuld bewahrt hat. Sie betont die übernatürliche Schönheit und Ruhe, die von der Heiligen ausgeht, sowie ihre Unvergänglichkeit, selbst im Tod.
Das lyrische Ich bewundert die heilige Cecilia als eine Überwinderin und Heldin. Sie ist dem Blick des lyrischen Ichs ein Vorbild und Inspiration. Ihr Tod, so scheint es, hat sie nicht entweiht oder entwertet, sondern hat ihre heilige Schönheit nur noch verklärt. Ihr reines und sittsames Leben hat sie über den Tod hinaus bewahrt vor Verfall und Fäulnis.
Das Gedicht ist in vier Strophen zu je vier Versen unterteilt und folgt keinem festen Reimschema, was typisch für die Dichtkunst während der Übergangszeit vom Naturalismus zur Moderne ist. Die Sprache des Gedichts ist bildreich und expressiv, mit vielen starken Adjektiven und Verben, die den Eindruck von Leidenschaft und Bewunderung hervorrufen. Der Klang ist gleichwohl melodisch und fließend, was zum Gesamteindruck des Gedichts als Gebet oder Anbetung beiträgt.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Sta. Cecilia in Trastevere“ stammt aus der Feder der Autorin bzw. Lyrikerin Marie Eugenie Delle Grazie. Die Autorin Marie Eugenie Delle Grazie wurde 1864 in Weißkirchen (Bela Crkva) geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1892 zurück. In Leipzig ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her der Epoche Realismus zuordnen. Bei der Schriftstellerin Delle Grazie handelt es sich um eine typische Vertreterin der genannten Epoche. Das 112 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Marie Eugenie Delle Grazie ist auch die Autorin für das Gedicht „Apoll vom Belvedere“, „Arco naturale“ und „Atlantis“. Zur Autorin des Gedichtes „Sta. Cecilia in Trastevere“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 71 Gedichte vor.
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