Spute dich! von Joachim Ringelnatz
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Spute dich, ehe das Postamt schließt! |
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Wenn auch ein Anziehn für nur zehn Minuten |
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Und ein Pustegehtaus-Lauf verdrießt,: |
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Minute spart Tage im Sputen. |
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Fertiggestellt und nicht abgeschickt – –, |
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Wem nützen halbe Sachen? |
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Freut man sich nicht nach Erwachen, |
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Wenn man schon Antwort auf gestern erblickt? |
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Freut man sich, wenn die Uhr nicht mehr tickt? |
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Versäume nichts, wenn dich der Moment |
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Mahnt. Irgendwer, der dich liebt und kennt, |
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Stirbt vielleicht fern, während du niest. |
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Ahnt vielleicht, daß du ihn nicht liebst. – – |
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Wenn du ihm jetzt schriebst, |
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Ihm, den du nicht wiedersiehst – – |
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Spute dich, ehe das Postamt schließt. |
Details zum Gedicht „Spute dich!“
Joachim Ringelnatz
5
16
95
1934
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Spute Dich!“ wurde von Joachim Ringelnatz verfasst, einem deutschen Schriftsteller und Kabarettist, der von 1883 bis 1934 lebte. Seine literarische Schaffenszeit fällt daher in die Zeit der Weimarer Republik und des beginnenden Nationalsozialismus.
Auf den ersten Eindruck hin ermahnt das Gedicht die Leser zur Eile und zur raschen Erledigung von Aufgaben. Es vermittelt eine Dringlichkeit, die durch die wiederholte Aufforderung „Spute dich!“ verstärkt wird.
Inhaltlich geht es im Gedicht um das Drängen zur zügigen Erledigung von Aufgaben, insbesondere die des Schreibens und Absendens von Briefen, wobei den Konsequenzen einer Trödelei deutlich Raum gegeben wird. Dem lyrischen Ich ist es wichtig, dass die Dinge rechtzeitig und vollständig erledigt werden, um spätere Komplikationen oder Bedauern zu vermeiden. Es bespricht die möglichen Verluste und Bedauern, die mit dem Versäumen von Aufgaben einhergehen können, einschließlich der Gleichgültigkeit und Entfremdung von geliebten Menschen.
Das Gedicht ist in freien Versen gehalten und folgt keinem festen Reimschema, was dem Inhalt eine gewisse Dringlichkeit und Intensität verleiht. Die Sprache ist direkt und unverblümt, mit äußerst klaren und bildhaften Ausdrücken wie „Pustegehtaus-Lauf“ und „Uhr, die nicht mehr tickt“. Das Gedicht ist durchzogen von Aufforderungen und Fragen, welche die Intention des Autors illustrieren: den Leser zum Handeln anzuregen.
Abschließend lässt sich sagen, dass „Spute Dich!“ ein Aufruf zur Aktion ist, der eine Aufforderung an die Leser darstellt, ihr Leben aktiv zu gestalten und jede Gelegenheit zu nutzen - insbesondere Kommunikationsmöglichkeiten mit geliebten Menschen -, um spätere Reue zu vermeiden. Durch die einfache Sprache und die klare Botschaft ist dieses Gedicht ein anregendes und bewegendes Werk von Joachim Ringelnatz.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Spute dich!“ des Autors Joachim Ringelnatz. Geboren wurde Ringelnatz im Jahr 1883 in Wurzen. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1934. Erschienen ist der Text in Berlin. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das 95 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz sind „Abgesehen von der Profitlüge“, „Abglanz“ und „Abschied von Renée“. Zum Autor des Gedichtes „Spute dich!“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.
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