Spruch des Confucius von Friedrich Schiller
1 |
Dreyfach ist der Schritt der Zeit. |
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Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, |
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Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, |
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Ewig still steht die Vergangenheit. |
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Keine Ungeduld beflügelt |
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Ihren Schritt, wenn sie verweilt. |
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Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt |
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Ihren Lauf, wenn sie enteilt. |
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Keine Reu, kein Zaubersegen |
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Kann die stehende bewegen. |
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Möchtest du beglückt und weise |
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Endigen des Lebens Reise? |
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Nimm die Zögernde zum Rath, |
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Nicht zum Werkzeug deiner That. |
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Wähle nicht die Fliehende zum Freund, |
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Nicht die Bleibende zum Feind. |
Details zum Gedicht „Spruch des Confucius“
Friedrich Schiller
3
16
77
1796
Sturm & Drang,
Klassik
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Spruch des Confucius“ wurde von Friedrich Schiller verfasst, der von 1759 bis 1805 lebte. Somit kann das Gedicht in das Zeitalter der Weimarer Klassik eingeordnet werden, welches die literarische Hochphase Schillers markiert.
Beim ersten Lesen fällt die klar strukturierte und ruhige Sprache auf, die sachlich das Wesen der Zeit darstellt. Der Duktus wirkt dabei sowohl lehrhaft als auch inspirierend und regt zum Nachdenken an.
Inhaltlich stellt das Gedicht eine Reflexion über die Zeit dar, die in drei verschiedene Zustände eingeteilt wird: Die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit. Dabei werden der Zukunft zögernde Eigenschaften zugeschrieben, sie kommt langsam und ungewiss. Die Gegenwart hingegen entflieht pfeilschnell. Sie ist der flüchtige Moment, der kaum zu fassen ist. Die Vergangenheit hingegen steht still, sie ist unwiderruflich und unveränderbar. Schiller beleuchtet dabei die menschlichen Reaktionen und Gefühle auf diese drei Zustände und gibt am Ende einen Rat, wie man mit den drei Zeitformen umgehen sollte.
Formal ist das Gedicht in drei Strophen unterteilt, denen jeweils eine der drei Zeitformen gewidmet ist. Dadurch wird die Dreiteilung der Zeit zusätzlich betont. Jede Strophe nimmt dabei die Zeitperspektive des lyrischen Ichs in den Fokus und setzt sich kritisch-reflexiv mit dieser auseinander.
In Bezug auf die Sprache fällt die klar strukturierte und einfache Diktion auf. Schiller verwendet keine komplexen Metaphern oder Vergleiche, sondern benutzt konkrete und prägnante Beschreibungen. Dabei dominieren Verben, die Bewegung und Zustand direkt ausdrücken. Diese direkte und klare Sprache verstärkt den lehrhaften Charakter des Gedichts und trägt zur leichteren Verständlichkeit bei.
Zusammenfassend ist Schillers „Spruch des Confucius“ ein nachdenklich stimmendes Gedicht über die Zeit, das trotz seiner Einfachheit tiefgründige Erkenntnisse transportiert und den Leser dazu anregt, seine eigene Haltung zu Zeit und Vergänglichkeit zu reflektieren.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Spruch des Confucius“ ist Friedrich Schiller. 1759 wurde Schiller in Marbach am Neckar, Württemberg geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1796. In Neustrelitz ist der Text erschienen. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Schiller handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.
Als Sturm und Drang (auch Genieperiode oder Geniezeit) bezeichnet man eine Epoche der Literatur, die auf die Jahre 1765 bis 1790 datiert werden kann. Sie knüpfte an die Empfindsamkeit an und ging später in die Klassik über. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dominierte der Geist der Aufklärung das literarische und philosophische Denken im deutschen Sprachraum. Der Sturm und Drang „stürmte“ und „drängte“ als Jugend- und Protestbewegung gegen diese aufklärerischen Ideale. Ein wesentliches Merkmal des Sturm und Drang ist somit ein Auflehnen gegen die Epoche der Aufklärung. Bei den Schriftstellern handelte es sich meist um Autoren jüngeren Alters. Meist waren die Vertreter unter 30 Jahre alt. In den Dichtungen wurde darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden, um die subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen. Es wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Die alten Werke vorangegangener Epochen wurden geschätzt und dienten weiterhin als Inspiration. Schiller, Goethe und die anderen Autoren jener Zeit suchten nach etwas Universalem, was in allen Belangen und für jede Zeit gut sei und entwickelten sich stetig weiter. So ging der Sturm und Drang über in die Weimarer Klassik.
Richtungsweisend für die Literatur der Weimarer Klassik war die Französische Revolution. Menschen setzten sich dafür ein, dass für alle die gleichen Rechte gelten sollten. Der Beginn der Weimarer Klassik ist im Jahr 1786 auszumachen. Die Epoche der Klassik endete im Jahr 1832 mit dem Tod Johann Wolfgang von Goethes. Das Zentrum dieser Literaturepoche lag in Weimar. Es sind sowohl die Bezeichnungen Klassik als auch Weimarer Klassik gebräuchlich. Die Autoren der Klassik wollten die antiken Stoffe aufleben lassen. Mit der antiken Kunst beschäftigte sich Goethe während seiner Italienreise. Die Antike gilt nun als Ideal, um Harmonie und Vollkommenheit erreichen zu können. In der Klassik wird eine einheitliche, geordnete Sprache verwendet. Kurze, allgemeingültige Aussagen sind oftmals in Werken der Klassik zu finden. Da man die Menschen früher mit der Kunst und somit auch mit der Literatur erziehen wollte, setzte man großen Wert auf Stabilität und formale Ordnung. Metrische Ausnahmen befinden sich häufig an Stellen, die hervorgehoben werden sollen. Schiller, Goethe, Herder und Wieland können als die Hauptvertreter der Weimarer Klassik angesehen werden. Aber nur Schiller und Goethe inspirierten und motivierten einander durch eine enge Zusammenarbeit und gegenseitige Kritik.
Das 77 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Die Gedichte „Breite und Tiefe“, „Bürgerlied“ und „Columbus“ sind weitere Werke des Autors Friedrich Schiller. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Spruch des Confucius“ weitere 220 Gedichte vor.
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