Spruch von Erich Mühsam

Wenn ihr mich weinen seht,
fragt nicht, warum.
Leid, das in Tränen steht,
tröstet sich stumm.
 
Wenn ihr mich fluchen hört,
stimmt mich nicht mild.
Zorn, der sich laut empört,
schmilzt, wenn er schilt.
 
Doch wenn ich trink und lach,
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lad ich euch ein.
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Freude wird grau und schwach,
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bleibt sie allein.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (23.7 KB)

Details zum Gedicht „Spruch“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
52
Entstehungsjahr
1920
Epoche
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Spruch“ wurde von Erich Mühsam (* 6. April 1878, † 10. Juli 1934) verfasst, einem deutschen Schriftsteller und Anarchisten. Mühsam lebte und wirkte während einer Zeit hoher politischer und sozialer Spannungen, die schließlich in den beiden Weltkriegen mündeten. Seine Werke wurden stark von den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen dieser Zeit geprägt.

Der erste Eindruck des Gedichtes ist intensiv und unmittelbar, teils durch seine fesselnd einfache Direktheit und seine emotionale Aufrichtigkeit. Es scheint, als würde das lyrische Ich durch seine Worte mit dem Leser in einen tiefgehenden Dialog treten.

Inhaltlich zeigt das Gedicht drei verschiedene emotionale Zustände des lyrischen Ichs - Traurigkeit, Wut und Freude - und erläutert, wie man damit umgehen soll. In der ersten Strophe erklärt das lyrische Ich, dass es beim Anblick seiner Tränen nicht nach dem Grund gefragt werden möchte, da sein Leid sich in Stille tröstet. Ähnlich äußert es sich in der zweiten Strophe zum Zorn - es wünscht sich keine friedlichen Worte, da der Zorn sich selbst durch seine lautstarke Auflehnung abschwächt. In der letzten Strophe jedoch lädt das lyrische Ich die Leser ein, sich ihm anzuschließen, wenn es trinkt und lacht, da die Freude an Stärke verliert, wenn sie alleine erlebt wird.

Formal besteht das Gedicht aus drei gleich strukturierten Vierzeilern. Die klare, schnörkellose Sprache und die einfache Struktur verleihen ihm eine gewisse Direktheit, die die Emotionalität der Verse zusätzlich unterstreicht. War es Mühsams Absicht, dem Leser unmissverständlich mitzuteilen, wie er seine Emotionen ausdrückt und wie er es bevorzugt, dass andere auf diese reagieren? Es scheint, als ob er auf eine authentische, unaufdringliche Art der emotionalen Interaktion hindeuten möchte, die auf Verständnis und Empathie - und nicht auf vorgefertigte Reaktionen - basiert.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass „Spruch“ von Erich Mühsam ein stark emotionsgeladenes Gedicht ist, das eine tiefe menschliche Wahrheit ausdrückt: dass wahre emotionale Verbindung auf ehrlicher, unaufgeregt-akzeptierender Interaktion beruht.

Weitere Informationen

Erich Mühsam ist der Autor des Gedichtes „Spruch“. 1878 wurde Mühsam in Berlin geboren. Im Jahr 1920 ist das Gedicht entstanden. In München ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Expressionismus zuordnen. Bei dem Schriftsteller Mühsam handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 52 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Erich Mühsam sind „1919“, „An die Dichter“ und „An die Soldaten“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Spruch“ weitere 57 Gedichte vor.

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