Spaziergang von Otto Ernst

Der Sturmwind springt mit rasendem Schwung
Über leuchtende Wiesen.
Er packt die Eichen bei Wurzel und Ast,
Die knarrenden Riesen.
 
Mir zum Triumph bestreut er den Weg
Mit breiten Zweigen,
Und hoch in Lüften spielt er mir auf
Mit juchzenden Geigen.
 
Die Erde klingt meinem harten Tritt
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Auf schweigenden Wegen –
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Was ist mir noch an der lauen Welt,
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An mir selber gelegen?
 
13 
Was ich gewesen, was ich gelebt,
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War Jammer und Schwäche.
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Mir spannt sich die Faust, auf daß ich den Tand
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Mit Fäusten zerbreche.
 
17 
Ich wachse, ich steige, ich werde frei,
18 
Sturm werde mein Wille! –
19 
Mein Denken fliegt wie ein Jubelschrei
20 
Durch die Winterstille.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.4 KB)

Details zum Gedicht „Spaziergang“

Autor
Otto Ernst
Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
105
Entstehungsjahr
1907
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Spaziergang“ wurde von Otto Ernst, einem deutschen Dramatiker und Erzähler, verfasst. Er lebte von 1862 bis 1926, das Gedicht kann also in die späte Phase des Realismus oder in die des Naturalismus zeitlich eingeordnet werden.

Beim ersten Eindruck valt die intensive Naturbeschreibung auf, die auch einen emotionalen Ausdruck des lyrischen Ichs darstellt. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass das lyrische Ich einerseits eine kraftvolle, fast gewalttätige Seite der Natur in Form des Sturmwinds erlebt und diese andererseits als persönliche Erfahrung und Entwicklung wahrnimmt.

Im ersten Teil des Gedichts wird die Natur in ihrer Sturmform beschrieben, wie sie mit rasendem Schwung über die Wiesen springt und dabei stark genug ist, Eichen zu packen. Doch gleichzeitig ist dieser Aufruhr ein Triumph für das lyrische Ich, das den Sturm als seine eigene energiegeladene Musik hört, während es seinen Weg bestreut mit Zweigen sieht.

Im Mittelteil reflektiert das lyrische Ich seine eigene Situation und fühlt eine gewisse Distanz oder vielleicht sogar Abneigung gegen die ruhige, stille Welt und sich selbst. Es hinterfragt, was ihm noch bedeutend und wichtig ist.

Im abschließenden Teil lehnt das lyrische Ich seine Vergangenheit, die es als „Jammer und Schwäche“ bezeichnet, ab. Es will seine Situation mit kräftiger Hand zerbrechen und einen Neuanfang wagen - symbolisiert durch den wachsenden und steigenden Sturm. Sein Wille soll sich mit der Kraft des Sturmes vereinen und seine Gedanken sollen sich mit einem Jubelschrei in die Winterstille erheben.

Formal besteht das Gedicht aus fünf vierzeiligen Strophen, es liegt ein strenger Versbau vor. Die Sprache ist bildhaft und metaphorisch, aber trotzdem klar und direkt. Die Worte sind kraftvoll gewählt und spiegeln die Intensität der Emotionen wider, die das lyrische Ich in diesem Gedicht durchlebt. Der Sturm wird dabei hauptsächlich positiv konnotiert und als Mittel zur Selbstbefreiung und Emanzipation verwendet.

Weitere Informationen

Otto Ernst ist der Autor des Gedichtes „Spaziergang“. Im Jahr 1862 wurde Ernst in Ottensen bei Hamburg geboren. Im Jahr 1907 ist das Gedicht entstanden. In Leipzig ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Moderne zuordnen. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das vorliegende Gedicht umfasst 105 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 20 Versen. Weitere Werke des Dichters Otto Ernst sind „Auflösung“, „Aus einer Nacht“ und „Ausflug“. Zum Autor des Gedichtes „Spaziergang“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 64 Gedichte vor.

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