Spaziergang von Klabund
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Ueber uns will es sich in den Zweigen regen, |
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und ein hübscher Vogel macht sich plüsternd breit. |
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Wird er jetzt wohl Eier legen |
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oder was ist seine Tätigkeit? |
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Plötzlich hat’s auf der erhobenen Stirne |
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irgendwie und irgendwo geklext, |
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und von einem Stoff, der – hm – in keines Menschen Hirne, |
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sondern (vorher) auf den Feldern wächst. |
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War das eines Geistes mahnend ernste Stimme? |
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Oder war’s ein leises Scherzo nur? |
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Zwiegeteilt in bodenlosem Grimme |
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flieht man die ungastliche Natur. |
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Und man fragt sich, während man so wandelt: |
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Ist denn das gerecht, |
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daß die Kreatur derartig unanständig handelt, |
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wenn verehren man und preisen möcht’? |
Details zum Gedicht „Spaziergang“
Klabund
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16
102
1927
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Spaziergang“ wurde von dem deutschen Schriftsteller Klabund verfasst, der von 1890 bis 1928 lebte und damit zur Epoche der Moderne zählt.
Beim ersten Lesen sticht das humorvolle und nicht typisch lyrische Thema des Gedichts hervor. Hier steht keine schwere Emotion oder tiefe Reflektion im Mittelpunkt, sondern eine alltägliche, eher unangenehme Erfahrung während eines Spaziergangs in der Natur.
Das lyrische Ich beschreibt einen Spaziergang unter Bäumen, wo ein Vogel auffällig zwitschert. Das Ich fragt sich, ob der Vogel Eier legt, doch dann passiert etwas Unangenehmes: Etwas trifft die Stirn des lyrischen Ichs. Diese Substanz, die natürlich und organisch ist (also von einem Vogel stammen könnte), führt zu einem humorvollen und zugleich nachdenklichen Moment. Das Ich fragt sich, ob dies eine ernsthafte Botschaft der Natur oder ein humorvoller Einfall ist. Indem das Ich nach der Gerechtigkeit eines solchen Ereignisses fragt, stellt es größere Fragen nach der Natur und unserem Verhältnis zu ihr.
Formal besteht das Gedicht aus vier Strophen mit jeweils vier Versen. Die Sprache ist leicht und humorvoll, wodurch das alltägliche Erlebnis zugänglich und unterhaltsam wird. Der humorvolle Zug ermöglicht es dem lyrischen Ich, über seine Beziehung zur Natur nachzusinnen, ohne dabei ernst oder melancholisch zu werden. Klabund nutzt dieses humorvolle Erlebnis, um sowohl eine Momentaufnahme aus dem Alltag zu zeichnen als auch eine Reflexion über unsere Verbundenheit und gleichzeitige Distanz zur Natur anzustoßen.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Spaziergang“ ist Klabund. 1890 wurde Klabund in Crossen an der Oder geboren. 1927 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Berlin. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit zuordnen. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit der Zuordnung. Die Auswahl der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das vorliegende Gedicht umfasst 102 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 16 Versen. Weitere Werke des Dichters Klabund sind „Berliner Ballade“, „Berliner Mittelstandsbegräbnis“ und „Berliner in Italien“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Spaziergang“ weitere 139 Gedichte vor.
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